Unnötige Eingriffe

I: 15 Jahre Haft für Ex-Chefarzt von "Horror-Klinik"

Ausland
29.10.2010 11:16
Der ehemalige Chefarzt eines Privatspitals in Mailand (Bild), in dem aus reinen Profitgründen jahrelang medizinisch überflüssige und teils tödlich verlaufene Operationen durchgeführt wurden, ist zu 15 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Zwei seiner Assistenten wurden zu zehn bzw. sechs Jahren Haft verurteilt. Der im Juni 2008 aufgedeckte Skandal um die "Horror-Klinik" hatte weltweit für Entsetzen gesorgt.

Die drei Angeklagten hatten 86 Fälle von schwerer Körperverletzung zu verantworten, berichteten italienische Medien am Freitag. Der verurteilte Chefarzt wird seinen Ex-Patienten eine Entschädigung von 80.000 Euro pro Person zahlen müssen, beschloss ein Gericht in Mailand.

Abhörmaßnahmen hatten die Ermittler vor zwei Jahren auf die Spur der Betrüger in der 276-Betten-Klinik gebracht, die mit den Operationen ihr Grundgehalt im Monat bis auf 27.000 Euro aufgestockt haben.

Unnötigerweise Brüste und Lungenflügel entfernt
Die Mediziner sollen sich durch die überflüssigen Eingriffe an ahnungslosen Patienten um insgesamt 2,5 Millionen Euro bereichert haben. So sei mehreren Frauen in der Klinik "Santa Rita" die Brust entfernt worden, während eine Gewebeuntersuchung ausgereicht hätte. Anderen Patienten wurden ebenfalls unnötig Lungenflügel entfernt.

"Die Patienten wurden als Einkommensquelle benützt", sagte ein Polizist. Die Ermittler haben das schockierende Vorgehen in einem mehr als 200 Seiten dicken Bericht festgehalten. In einem Fall war einer 18-Jährigen die ganze Brust abgenommen worden, nachdem bei ihr Knötchen diagnostiziert wurden - nur um höhere Versicherungsrückzahlungen zu kassieren.

"Fantasie-Tumore und suspekte Todesfälle"
Oftmals wurden die chirurgischen Eingriffe ohne das Einverständnis der Patienten oder des betreuenden Arztes vorgenommen. Die Ärzte hatten bei vielen "abnormalen" und kostspieligen Operationen weder das Alter noch den angegriffenen Gesundheitszustand ihrer Patienten berücksichtigt.

Ein ehemaliger Patient sagte im staatlichen Fernsehsender RAI, er sei an der Lunge statt an der Schilddrüse operiert worden. Die römische Tageszeitung "La Repubblica" nannte das Betrugsprinzip in der Klinik "Fantasie-Tumore und suspekte Todesfälle".

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