15.11.2020 06:01 |

Flüssiger spinnen

„Spider-Man: Miles Morales“ für die PS5 im Test

Einer der ersten großen Blockbuster für Sonys neue PlayStation 5 ist das Superhelden-Actionspiel „Spider-Man: Miles Morales“. Es handelt sich um ein Spin-off des erfolgreichen „Marvel’s Spider-Man“ aus der PS4-Ära, das in der teuren Ultimate Edition auch gleich als PS5-Remaster mit beiliegt. Im neuen Ableger schlüpft man nicht in den Spinnenanzug von Peter Parker, sondern versucht sich als dessen ebenfalls von einer mutierten Spinne gebissener Freund Miles Morales als Spinnenmann. Wie sich das spielt und wie schön die Optik auf der PS5 ist, hat krone.at getestet.

Das von Insomniac Games entwickelte „Marvel’s Spider-Man“ für die PS4 galt als eines der besten Superhelden-Spiele der letzten Konsolengeneration. Und mit dem „Miles Morales“-Ableger bleibt man dem Erfolgsrezept treu, schickt aber kurzerhand einen anderen Spinnenmann in den Kampf gegen das organisierte Verbrechen von New York. Und zwar ohne Umwege: Auf der PS5 ist man vom Hauptmenü aus binnen drei, vier Sekunden mitten im Spiel - der flotten SSD sei Dank.

Ganz neue Grafikpracht dank PS5-Power
Und was für ein New York dem Spieler hier dargeboten wird: Schon der Vorgänger für die PS4 setzte die US-Metropole als offene Spielwelt eindrucksvoll in Szene, kämpfte allerdings noch mit den Limitierungen der PS4, was sich beispielsweise an einer gerade noch flüssigen Bildrate von 30 fps zeigte. Mit der neuen Konsolengeneration schöpft man nun die deutlich größere Hardware-Power aus.

Sowohl beim „Spider-Man“-Remaster als auch dem neuen „Miles Morales“-Abenteuer bieten die Entwickler dem Spieler wahlweise echte 4K-Auflösung mit mehr Details und Raytracing-Effekten bei 30 Bildern pro Sekunde (fps) oder ein superflüssiges 60-fps-Erlebnis mit leicht reduziertem Detailgrad, bei dem in niedrigerer Auflösung gerendert und dann auf 4K hochskaliert wird. In der PS4-Version gibt es das neue „Spider-Man“ nur mit 30 fps.

Beide Grafikmodi sind überzeugend
Wir haben auf der PS5 beide Modi ausprobiert - und waren von beiden begeistert. Der Hochglanz-Modus läuft so flüssig wie einst auf der PS4, nur dass man diesmal durch die höhere Auflösung und die höchst realistischen Licht- und Reflexionseffekte mit Raytracing-Technologie einen weit höheren Detailgrad vorfindet als noch auf der PS4. Imposant spiegelt sich hier die Skyline New Yorks in den Hochhausschluchten, durch die sich unser Spider-Man schwingt, auch die realistischere Beleuchtung trägt gerade bei Innenraum-Levels zu einer gelungenen Atmosphäre bei.

Im Performance-Modus verzichtet man auf einen Teil dieses Glanzes, erfreut sich dafür aber an einer Bildrate von 60 fps. Auf Konsolen, die bisher meist mit 30 fps das Auslangen finden mussten, ist das ein gehöriger Sprung, der für deutlich flüssigeres Gameplay auf PC-Niveau sorgt, aber eben nicht ganz so schön anzusehen ist wie der andere Modus.

Uns haben letztlich beide Modi gut gefallen: Sich mit 60 fps durch die Hochhausschluchten zu schwingen fühlt sich großartig an und sieht immer noch gut aus. Und wer mit 30 fps das Auslangen findet, hat eben die Möglichkeit, noch ein Stück mehr Detailgrad herauszuholen. Wahlfreiheit, die wir uns auch bei künftigen PS5-Spielen wünschen.

Bei all der Pracht überhört man fast den tollen Sound
Die Optik ist umso eindrucksvoller, wenn man sie in Relation zur Größe der offenen Spielwelt setzt und bedenkt, dass sie im Großen auf Hochhausdächern ebenso überzeugt wie in Innenräumen mit realistischen Charaktermodellen, detaillierten Requisiten und schönen Lichteffekten. Tatsächlich ist die Optik so gelungen und die Superhelden-Prügel-Action so packend inszeniert, dass der nicht minder gelungene Soundtrack und die stimmigen Soundeffekte erst nach einer Weile auffallen.

Genug der Äußerlichkeiten: Wie spielt sich „Spider-Man: Miles Morales“ denn nun? Sehr actionreich mit einem Hauch Knobelei, können wir nach unserem Ausflug in die New Yorker Hochhausschluchten sowohl des Remasters als auch des neuen Teils berichten. Im Vordergrund steht natürlich der Kampf gegen das Verbrechen, den im Spiel der Sidekick des Helden mit einer Handy-App organisiert.

Darin findet man Aufträge und Verbrechen samt Navigationspunkt, zu dem man sich am seidenen Faden hin schwingt. Am Einsatzort angekommen, führen Zwischensequenzen in In-Game-Optik - vor ein paar Jahren wäre das noch als Render-Sequenz durchgegangen - durch den Auftrag, bei dem meist Kriminelle verprügelt werden, seltener Rätsel zu lösen sind.

Flottes und actionreiches Gameplay
Die Prügelei spielt sich flott und actionreich, bietet Kombos wie in Prügelspielen und durch die Spinnen-Fähigkeiten des Helden auch reichlich Tiefe. Stets muss man auf der Hut vor Gegnern mit Schusswaffe sein, ihnen geschickt die Gewehre aus den Händen reißen, Gegner einspinnen und so vorübergehend kampfunfähig machen, dazwischen Kombos austeilen und auch mal Einrichtungsgegenstände am seidenen Faden zum Wurfgeschoss umfunktionieren. Eine eingängige Steuerung sorgt dafür, dass das alles trotz der schnellen Abfolgen in den Kämpfen auch für Einsteiger befriedigend und gut handhabbar bleibt. Vier Schwierigkeitsgrade dafür, dass auch Profis gefordert werden.

Die gebotene Action tröstete uns im Test über die etwas klischeebeladene Handlung von „Spider-Man: Miles Morales“ hinweg. Unerwartete Wendungen oder vielschichtige Charaktere sollte man sich von dem Action-Adventure nicht erwarten, hier lässt sich alles in Gut- oder Böse-Schubladen stecken. Zwischendurch gibt’s immer wieder emotionale Heile-Welt-Szenen und Begegnungen mit interessanten Charakteren, im Großen und Ganzen hat man es aber mit einer seichten, dafür schön actionreichen Superheldengeschichte zu tun, in der Spider-Man als großer Held gegen subversive Schurken kämpft.

Jede Menge Kostüme und Items freischaltbar
Für Langzeitmotivation sorgt ein Talentbaum, mit dem Spider-Man seine Spinnenkräfte und Kampf-Fertigkeiten im Spielverlauf immer weiter verbessert. Außerdem gibt es eine Menge Items - etwa Anzüge mit jeweils ganz eigenen Eigenschaften oder Superhelden-Gadgets wie bessere Netzwerfer, die man mit der Zeit sammelt.

Die gut gemachten Nebenaufträge, die teils ihre ganz eigenen humorigen Geschichten erzählen, halten den Spieler neben der eher kurzen Hauptgeschichte um Miles‘ Mutter und ihre politischen Ambitionen bei der Stange. Abwechslung wird auch beim Missions-Design geboten: Zwar spielen Schlägereien mit Schurken hier klar die Hauptrolle, dazwischen wird die Prügelei aber immer wieder mit Schleichpassagen, (Schalter-)Rätseln und dem einen oder anderen Quicktime-Event aufgelockert.

Einen Mehrspielermodus gibt es in „Spider-Man: Miles Morales“ nicht, der Fokus liegt hier klar auf dem Singleplayer-Erlebnis. Einen In-Game-Shop hat sich Sony erfreulicherweise auch gespart.

Fazit: „Spider-Man: Miles Morales“ auf der PS5 ist nicht zuletzt durch die technischen Verlockungen der Next-Gen-Konsole ein Fest. Raytracing-Grafik, superkurze Ladezeiten und der 60-fps-Modus lassen hier kaum einen Wunsch offen, darüber hinaus liefert Insomniac aber auch spielerisch ein rundes Ding ab. Actionreiche und spannende Kämpfe, eine klischeebeladene, aber packend erzählte Handlung, viele coole Talente und Items und ein Füllhorn unterhaltsamer Nebenmissionen lassen im neuen „Spider-Man“-Teil ähnlich viel Freude aufkommen wie schon im Vorgänger für die PS4. Wer den noch nicht gespielt und Freude an Superhelden-Action hat, sollte indes gleich zur Ultimate Edition greifen - so schön wie jetzt auf der PS5 konnte man den Superhelden-Kracher nämlich bisher nicht erleben.

Plattform: PS4, PS5 (getestet)
Publisher: Sony
krone.at-Wertung: 9/10

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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