13.11.2020 11:23 |

Sorge um Zukunft

Österreicher werden zunehmend „Corona-müde“

Wie eine aktuelle Studie zeigt, ist die eigentlich hoffnungsvolle Stimmung des Frühjahrs verschwunden. Während die schlecht begründeten Maßnahmen der Regierung zu mehr Widerstand bei der Einhaltung der Corona-Regeln führen, mehrt sich auch die Sorge über Sicherheitsmängel durch die beschleunigten Zulassungsverfahren bei der Impfung gegen das Virus.

Für die aktuelle Studie hat eine Forschungsgruppe der Universität Wien 80 Menschen im April und Oktober zu ihrem Alltag in der Pandemie und ihren Ansichten zu den Eindämmungsmaßnahmen befragt. Doch trotz Jubelmeldungen diverser Impfstoff-Produzenten und der Hoffnungen der Regierungen auf den baldigen Einsatz ebendieser zeigten sich die Befragten skeptisch.

Viele der Interviewten - auch Impfbefürworter - erklärten, dass sie sich nicht als eine der ersten Gruppen impfen lassen, sondern erst einmal abwarten wollen. Als Grund wurde unter anderem Verunsicherung bezüglich der Sicherheit genannt, weil die Entwicklung und Prüfung von Impfungen normalerweise Jahre dauert.

Sorge nicht einfach Impfskepsis”
„Jeder wartet auf die Impfung, aber niemand will sich impfen lassen“, wird ein Teilnehmer der Studie „Solidarität in Zeiten der Pandemie” zitiert. Diese Haltung dürfe nicht einfach als „Impfskepsis" abgetan werden, stattdessen solle auf Dialog und Kommunikation gesetzt werden, appellieren die Wissenschaftler.

Unverständliche Begründungen führen zu Widerstand
Die Ergebnisse der Befragung sind auch ein Appell an die politischen Entscheidungsträger, klarer zu kommunizieren. So sollen vor allem, trotz des sich schnell ändernden Wissensstandes, Gründe und Grundlagen für bevorstehende Maßnahmen eindeutiger mitgeteilt werden. Unschlüssige Begründungen von Maßnahmen führen nämlich zu Unverständnis bis hin zu Widerstand. 

Bevölkerung zeigt sich solidarisch
Viele Befragte würden sich dazu besonders wissenschaftliche Belege wünschen, welche Maßnahmen etwas bringen. So sei etwa nicht nachvollziehbar, warum zum Zeitpunkt der Befragung in den Gängen vieler öffentlicher Gebäude Maskenpflicht herrschte, am Sitzplatz im Theater aber nicht. Als wichtigen Grund für die Einhaltung von Maßnahmen wie Maskenpflicht und Abstandsregeln haben die Forscher übrigens den Respekt vor anderen Menschen, vor allem Angehörigen der Risikogruppe, ausgemacht.

Österreicher zunehmend erschöpft
Während die Zustimmung zu den Einschränkungen im Frühjahr noch hoch war, kippt die Stimmung nun zunehmend. Die „Müdigkeit“ im Umgang mit der Pandemie führe dazu, dass das Interesse etwa an der Entwicklung der Fallzahlen zurückgegangen ist und manche Befragte von zunehmender Abneigung gegen Nachrichten berichten. Viele vermissen ihren Alltag vor der Pandemie und der neue Alltag mit seinen diversen Einschränkungen führe zu einem Gefühl der Erschöpfung.

Zukunftssorgen
Außerdem machen sich viele Befragte Sorgen über die Folgen der Pandemie für Wirtschaft und Gesellschaft. Befürchtet werden etwa schlechtere Bildungschancen und psychosoziale Belastungen für Kinder, die Isolation älterer Menschen und ein Anstieg von Armut. Die Befragten äußerten den Eindruck, dass derzeit nicht ausreichend über diese Herausforderungen und deren Bewältigung gesprochen wird.

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