"Feuerberg" brodelt

Indonesien: Vulkan Merapi tötete auch seinen Wächter

Ausland
27.10.2010 12:19
Der erwachte Vulkan Merapi in Indonesien wird immer bedrohlicher und hat bereits mehr als zwei Dutzend Todesopfer gefordert. 28 Menschen verbrannten am Fuße des Berges, ein drei Monate altes Baby starb, nachdem es Material aus dem Vulkan eingeatmet hatte, wie der lokale Fernsehsender Metro TV berichtete. Unter den Opfern des Vulkanausbruchs befindet sich auch der offizielle Wächter des Vulkans, Großvater Marijan genannt.

Die Leiche des fast 80-jährigen Mannes, der seit Jahren auf den Vulkan "aufgepasst" hatte, wurde am Mittwoch aus den Trümmern seines Hauses geborgen. Seine Leiche war laut Medienberichten mit Asche überzogen, bis zu seinem Tod verharrte er in Gebetshaltung, um den Vulkan doch noch zu beruhigen. Derartige Gebete hielt Großvater Marijan immer wieder ab. Seit Jahren führte er die spirituellen Veranstaltungen an, mit denen die Einheimischen den Vulkan besänftigen wollten.

Vom Sultan zum Wächter ernannt
Der alte Mann war eine der Respektspersonen der Insel Java. Er wurde höchstpersönlich von Hamengkubuwono IX, dem damaligen Sultan der Stadt Yogyakarta am Fuße des Vulkans, zum Wächter des Merapi ernannt. Die pflichtbewusste Erfüllung dieser Aufgabe dürfte nun für den Tod des alten Mannes verantwortlich gewesen sein.

Großvater Marijan habe die Evakuierungsanordnung der Behörden bewusst missachtet, berichtete ein Helfer. Er selbst sei noch vor dem Vulkanausbruch bei dem alten Mann gewesen, sagte Helfer Taufiq. Aber Großvater Marijan habe nicht gehen wollen: "Ich bleibe besser hier und bete."

137 Eruptionen innerhalb weniger Stunden
Angekündigt hatte sich der Ausbruch des Vulkans bereits am Montagabend, als Vulkanologen innerhalb weniger Stunden 137 Eruptionen im Krater des Merapi verzeichneten. Am Dienstag wurden die ersten Anrainer in Sicherheit gebracht: Für 300 Kinder und ältere Menschen richteten die Behörden im Distrikt Magelang Notunterkünfte ein. "Die anderen Einwohner sind in Alarmbereitschaft und jederzeit zur Flucht bereit, sollte es nötig werden", sagte ein Sprecher der Distriktverwaltung. In der umliegenden Gemeinden verteilten Helfer Zelte und Decken.

Die größte Sorge galt dem steigenden Druck unter dem riesigen Lavadom, wie der Vulkanologe Surono sagte. "Die Energie baut sich auf", analysierte er. "Wir hoffen, dass sie langsam entweicht." Andernfalls stehe eine heftige Eruption bevor - "größer als alles, was wir in den vergangenen Jahren gesehen haben".

Einer der aktivsten Vulkane der Welt
Der fast 3.000 Meter hohe Merapi, auf deutsch "Feuerberg", ist einer der aktivsten Vulkane der Welt. Er liegt 25 Kilometer nördlich der Großstadt Yogyakarta auf der Insel Java. Im Umkreis wohnen mehr als drei Millionen Menschen, 40.000 davon an den Hängen des Vulkans. Viele Bauern wollen ihre Felder dort nicht verlassen. Die Lage ist beliebt, weil die Vulkanerde höchst fruchtbar ist.

Seit Tagen beobachten die Vulkanologen wachsende Spannungen in dem Krater. Das Magma steigt immer höher und die Hänge dehnen sich aus. Im Kraterinneren staut sich wahrscheinlich eine wachsende Gaswolke. Bei dem jüngsten Ausbruch 2006 hatte sich das Gas mit einer Fontäne entladen und Gerölllawinen ausgelöst, zwei Menschen wurden getötet. Bei einem Ausbruch 1994 kamen 66 Menschen um. Die verheerendste Eruption der jüngeren Geschichte ereignete sich 1930: Damals wurden 13 Dörfer vernichtet, 1.370 Menschen starben.

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