Nach Ölpest
Anwälten winken bei Prozess gegen BP Traumgagen
"Das ist eine sehr lukrative Position und wird alle dicken Fische anziehen", sagt der Rechtswissenschaftler Brian Fitzpatrick von der Vanderbilt University. Das Elite-Team kann sich als Honorar auf bis zu 15 Prozent der Einigungssumme in Höhe von mehreren Milliarden Dollar freuen - zusätzlich zu den üblicherweise 30 Prozent, die Anwälte von ihren jeweiligen Mandanten fordern. Anreiz für die Rechtsvertreter sei daher nicht nur die Aussicht darauf, die Verhandlungsführung entscheidend mitzugestalten, sondern "ein großer Prozentsatz oben drauf", sagt Fitzpatrick.
Die Entscheidung, wer die Klageführung leitet, trifft Bezirksrichter Carl Barbier in den kommenden Wochen. In früheren Verfahren haben Richter die Anwaltshonorare allerdings gedeckelt. Einige Juristen hatten sich Honorare in Höhe von 55 Prozent gesichert.
Auch Al Gores Ex-Anwalt will abcashen
Hoffnungen auf das lukrative Honorar macht sich unter anderem der Anwalt Ronald Motley aus South Carolina, dessen Kanzlei sich bereits um Fälle von A wie Asbest-Opfer bis Z wie Zinkvergiftung gekümmert hat. Damit und weil er sich während seiner ganzen Karriere immer wieder mit "mächtigen gegnerischen Interessen" angelegt habe, sei er für die Prozesse wegen der Ölpest geradezu prädestiniert, heißt es in Motleys Bewerbung um einen Platz in dem Team.
Zu seinen Konkurrenten gehören unter anderem fünf Kollegen, die BP bereits wegen einer Explosion in einer Raffinerie in Texas 2005 geklagt haben, und der Anwalt, der Al Gore nach der Präsidentenwahl vor knapp zehn Jahren bei der Nachzählung der Stimmen vertreten hat.
Notwendig ist das Elite-Team, um die Klageführung von Hunderten beteiligten Anwälten effizient zu koordinieren. Seine Mitglieder werden so gut wie jede strategische Entscheidung im Namen aller Kläger gegen BP treffen, die übrigen Anwälte spielen dann fast keine Rolle mehr.
Die Handvoll Auserwählter seien wie der Kapitän, der das Schiff steuere, sie seien nicht nur für ihre eigenen Mandanten, sondern für alle Kläger zuständig - und hätten damit das üppige Extra-Honorar verdient, sagt der New Yorker Anwalt Hunter Shkolnick, der an dem Verfahren selbst nicht beteiligt ist. Experten und Ermittler zu beauftragen, "kann sich der Anwalt, der einen oder zwei Fischer vertritt, einfach nicht leisten", erklärt Shkolnick.
Vergleich mit Davids Kampf gegen Goliath
Shokolnicks Kollege Richard Arsenault, der es in die "Führungsriege" schaffen will, bringt einen edelmütigeren Vergleich ins Spiel: Die Klage gleiche angesichts der Macht von Konzernen wie BP dem Kampf Davids gegen Goliath. Ein "notdürftiges Team" trete "gegen olympische Athleten an", sagte Arsenault: "Das ist eine interessante Dynamik."
Und nicht jeder seiner Kollegen bewirbt sich mit Angeber-Pose und Verweis auf die Aufnahme in jährliche "Top-Anwalt"-Listen um einen Platz in der Verhandlungsführung. Robert Cunningham aus Alabama betonte freimütig, er habe auch schon Prozesse verloren. "Ich glaube, wenn man nicht hin und wieder einen Fall verliert, versucht man sich nicht an genügend vielen", erklärte der Jurist.











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