"Krone"-Analyse

Ausländeranteil in Graz steigt - und sorgt für Probleme

Steiermark
19.10.2010 09:36
Im Bund herrscht derzeit Chaos in der Fremdenpolitik - doch wie schaut es aktuell in Graz aus? Der Ausländeranteil steigt seit Jahren kontinuierlich. Die Stadt gibt jährlich gut 1,2 Millionen Euro für die Integration aus, obwohl sie oft nicht zuständig ist. Und: Die EU finanziert ein "Werbeprojekt".

Für eine große Stadt wie Graz ist die Integration eine der wichtigsten Herausforderungen für die Zukunft. 14,9 Prozent beträgt der Ausländeranteil in Graz, 2001 lag er noch bei 9,5 Prozent (siehe Daten und Fakten unten).

Manifest werden Probleme besonders in Schulen. In der Volksschule St. Andrä etwa gibt es heuer in einer Taferlklasse überhaupt keinen Schüler mit Deutsch als Muttersprache. Die Lehrer sind extrem gefordert. ÖVP-Sozialsprecher Thomas Rajakovics verlangt mehr Unterstützung von Bund und Land: "Wir brauchen zusätzliche Pädagogen in Kindergärten und Pflichtschulen. Die Eltern dürfen nicht gezwungen werden, ihre Kinder in bestimmte Schulen zu schicken. So kommt es zu den hohen Ausländeranteilen."

"Der Bund lässt uns da allein"
Prinzipiell ist die Stadt Graz bloß Pflichtschulerhalter ohne Einfluss auf Lehr- oder Dienstpläne. Dennoch werden allein für Integrationsmaßnahmen in Schulen und Kindergärten jährlich 500.000 Euro ausgegeben. Rajakovics: "Der Bund lässt uns da allein!"

Ein weiteres Problem ist die hohe Konzentration von Ausländern auf einige wenige Bezirke - Rezepte, wie diese Gettoisierung zu lösen ist, fehlen. Hier geht es anderen Städten auch nicht besser als Graz.
Rajakovics: "Wir tun viel, die Grazer wissen es nur oft nicht."

Von der EU gibt es jetzt 250.000 Euro für Graz, um Integrationsmaßnahmen besser zu bewerben. Die Stadt erarbeitet mit Berlin, Stockholm und Madrid ein entsprechendes Konzept um insgesamt eine Million Euro.

Daten und Fakten

  • Rund 258.000 Menschen haben ihren Hauptwohnsitz in Graz - 38.300 sind Ausländer (rund 13.400 aus der EU).
  • Die meisten Ausländer kommen aus Deutschland (5.455), Bosnien (4.950), Kroatien (4.816), Türkei (4.070), Rumänien (3.242), Ungarn (1.866), Slowenien (1.596).
  • Knapp 4.000 ausländische Kinder besuchen Grazer Pflichtschulen. Knapp 5.000 Ausländer studieren in Graz.
  • Die meisten Ausländer (ohne EU-Bürger) wohnen nach wie vor in den Bezirken Gries (5.461), Lend (5.055), Jakomini (3.190) und Eggenberg (1.939).
  • Die wenigsten Ausländer (wieder ohne die EU-Bürger) wohnen in den Bezirken Ries (187), Innere Stadt (203), Mariatrost (314) und Waltendorf (435).
  • 71 ausländische Vereine gibt es in Graz. Acht von der öffentlichen Hand geförderte Vereine dienen zudem als Anlaufstellen.
  • 1,2 Millionen Euro gibt die Stadt Graz jährlich für Integrationsmaßnahmen aus. Die Kosten für Schulsozialarbeiter und Integrationsassistenten in Kindergärten betragen rund 500.000 Euro.
  • 7,6 Prozent betrug der Ausländeranteil in Graz im Jahr 1993 (18.712 Einwohner kamen damals nicht aus Österreich), 14,9 Prozent ist der Anteil heute (Stand vom 1. Jänner 2010).

von Gerald Richter, "Steirerkrone"
Bild: Grazer Volksgarten

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