23.10.2020 18:51 |

„An Kapazitätsgrenze“

Vorarlberg muss Contact Tracing einschränken

Alarmierende Nachrichten kommen aus Vorarlberg: Die Entwicklung bei der Zahl der Neuinfektionen habe „das Infektionsteam an seine Kapazitätsgrenze geführt“, hieß es am Freitagabend seitens des Landes. „Wir können in der nächsten Zeit nicht mehr den vollen Umfang der Kontaktnachverfolgung aufrechterhalten und müssen uns deshalb auf Hochrisikogruppen konzentrieren“, kündigte Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) an.

„Wir werden bestimmte Gruppen priorisieren“, ergänzte Sanitätsdirektor Wolfgang Grabher. „Neben den Erkrankten sind dies Personen im gemeinsamen Haushalt, Personen mit engen Kontakten oder mit Bezug zu besonders gefährdeten Gruppen.“ Demnach wurden in den vergangenen sieben Tagen in Vorarlberg durchschnittlich 115 Neuinfektionen pro Tag verzeichnet. Damit sind täglich rund 2000 Kontaktpersonen verbunden.

Kontaktpersonen werden vom Erkrankten selbst erhoben
Das nunmehrige Prozedere läuft Grabher zufolge so ab: Im Zuge des Erstanrufs bei der infizierten Person wird neben den wichtigsten Informationen über die betroffene Person eine Erhebung der engen Kontaktpersonen in die Wege geleitet. Die Erfassung aller Kontaktpersonen erfolgt mittels eines digitalen Formulars durch den Erkrankten selbst mit einer genauen Beschreibung des Kontakts sowie des Zeitpunkts.

Diese Kontaktfälle werden vom Infektionsteam geprüft. Personen im eigenen Haushalt bzw. mit sehr intensiven Kontakten oder mit Berührungspunkten zu besonders gesundheitlich anfälligen Gruppen werden herausgearbeitet und ohne weitere Kontaktaufnahme per Bescheid abgesondert.

„Beziehen uns nur mehr auf die Meldung der Erkrankten“
Diese Vorgangsweise ist zunächst für zwei Wochen geplant, sie diene der Beschleunigung der Verfahrensabläufe und Entlastung des Infektionsteams. „Die sehr aufwendige Verfolgung, wie sie derzeit stattfindet, ist mit diesen hohen Zahlen nicht mehr möglich. Wir reagieren daher und beziehen uns nur mehr auf die Meldung der Erkrankten“, erläuterte Grabher. Es sei durchaus möglich, dass auf diese Weise nicht alle Kontaktpersonen erfasst werden.

Personen, die glauben, dass sie Kontaktpersonen mit engem Kontakt und Berührung zu besonders gefährdeten Gruppen sind, aber nicht abgesondert wurden, sollen sich an die erkrankte Person mit der Bitte um Nachmeldung wenden. Menschen mit losem Kontakt zu Infizierten werden nicht mehr aktiv kontaktiert, aber gebeten, ihre sozialen Kontakte stark zu reduzieren und ihren Gesundheitszustand selbst zu überwachen.

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