1. "Aussie-Heilige"

Papst sprach am Petersplatz sechs Ordensleute heilig

Ausland
17.10.2010 15:30
Tausende australische Katholiken haben am Sonntag bei einer Papstmesse im Vatikan die erste Heiligsprechung in der Geschichte ihres Kontinents gefeiert. Die Australierin Mary MacKillop habe sich "als junge Frau der Erziehung der Armen" verschrieben, sagte Papst Benedikt XVI. während der feierlichen Zeremonie auf dem Petersplatz. Insgesamt wurden auf dem Petersplatz sechs Ordensleute heiliggesprochen.

Die Ordensfrau MacKillop sei für viele junge Australier "ein beherztes und frommes Beispiel", würdigte der Papst die Anfang des 20. Jahrhunderts verstorbene Nonne, die sich gegen Kindesmissbrauch durch Geistliche stark gemacht hatte.

"Das ist einfach wunderbar"
Auf dem Petersplatz hatten sich Tausende begeisterte Australier versammelt. Sie schwenkten australische Flaggen und waren in ihren Landesfarben gekleidet, um MacKillops Heiligsprechung zu feiern. "Das ist einfach wunderbar. Wir haben immer geglaubt, dass Mary eine Heilige war", sagte Moya Campbell, eine 65-jährige Nonne aus dem von MacKillop gegründeten Orden.

Neben der Australierin heiliggesprochen wurden auch der Laienbruder Alfred Bessette alias Bruder Andre (1845 - 1937) aus der kanadischen Provinz Quebec, der polnische Priester Stanislaw Kazimierczyk Soltys (1433 - 1489), die spanische Ordensgründerin Candida Maria de Jesus Cipitria y Barriola (1845 - 1912) sowie die italienischen Nonnen Giulia Salzano (1846 - 1929) und Camilla Battista Varano (1458 - 1524). Für Quebec war es ebenso wie für Australien die erste Heiligsprechung überhaupt, auch von dort waren etwa 5.000 Pilger angereist.

50.000 Pilger am Petersplatz
An der weitgehend in lateinischer Sprache abgehaltenen Zeremonie auf dem Petersplatz in Rom nahmen insgesamt rund 50.000 Pilger aus aller Welt teil. Unter ihnen waren auch die Außenminister Australiens und Kanadas, Kevin Rudd und Lawrence Cannon, sowie der polnische Staatspräsident Bronislaw Komorowski. Rudd hatte MacKillop bereits früher als "außerordentliche Australierin" gewürdigt.

MacKillop war 1842 in Melbourne als Tochter schottischer Einwanderer zur Welt gekommen. Sie gründete den Sankt-Josephs-Frauenorden, der sich vor allem um verarmte Farmersfrauen und deren Kinder kümmerte. Sie gilt daher als frühes Vorbild feministischer Katholikinnen. Nur einige Jahre nach der Ordensgründung wurde sie zwischenzeitlich exkommuniziert, weil sie einen katholischen Priester des Kindesmissbrauchs überführt und sich geweigert hatte, den Orden den hierarchischen Kirchenstrukturen unterzuordnen. Das für die Heiligsprechung nötige Wunder ereignete sich laut Kirche lange nach ihrem Tod im Jahr 1909: Sie soll im Jahr 1961 eine Frau von Leukämie geheilt haben.

"Wirf die Krücken weg und geh!"
Der als Bruder Andre in die Kirchengeschichte eingegangene Laienmönch Alfred Bessette hatte das Sankt-Josephs-Oratorium in der Stadt Montreal gründet, das im Lauf der Zeit von einer kleinen Kapelle zu einer großen Pilgerkirche wurde. Ihm wird nachgesagt, einen Gehbehinderten von seiner Lähmung geheilt zu haben, indem er zu ihm sagte: "Wirf die Krücken weg und geh!"

Seit seinem Amtsantritt im April 2005 hat Benedikt XVI. bisher 34 Heiligsprechungen vorgenommen. Sein Vorgänger Johannes Paul II. hatte 482 Menschen heiliggesprochen.

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