"Wenn uns kein schnelles Tor gelingt, wird's mühsam", hatte Roman Kienast vor der Partie befürchtet. Und es wurde mühsam. Sehr mühsam sogar. Auch, weil Sturms Torjäger selbst die Chancen auf das erhoffte frühe Tor vergab: In der 10. Minute lenkte Tormann Hesl seinen Schuss in den Corner, in der 25. verstolperte er vor Hesl. Und es waren - abgesehen von einem Abseitstor von Schildenfeld nach einem von Hesl abgewehrten Weber-Schuss (8.) - nicht die einzigen Chancen, die von den Grazern schon vor der Pause vergeben wurden.
Die Foda-Truppe, die von 26 Partien gegen Ried in Graz 22 gewonnen hat, war die turmhoch überlegene Mannschaft, spielte mit dem Gegner phasenweise fast Katz und Maus, aber die ganze Überlegenheit endete am Strafraum oder beim Rieder Tormann.
Versuch mit der Brechstange
Dabei war bei den Oberösterreichern, vom Selbstvertrauen der ersten Runden nur noch wenig zu sehen, die drei Niederlagen in den letzten vier Runden haben anscheinend doch ihre Spuren hinterlassen. Denn vor allem im Spiel nach vorne waren sie extrem fehleranfällig, verlegten sich immer mehr darauf, nur kein Tor zu kassieren. Und außer einem Nacho-Schuss in der 2. Minute und einigen (harmlosen) Eckbällen und Fernschüssen hatten sie offensiv eigentlich auch wenig bis nichts zu bieten.
Bis zur 70. Minute. Da kam's, wie so oft in Spielen, in denen die Überlegenheit nicht in Tore umgesetzt werden kann: Sturm blieb zwar am Drücker, war aber insgesamt nicht mehr so gefährlich, wurde unverständlicherweise immer verkrampfter, die Rieder kamen zu Kontern. Und als Schildenfeld und Perthel nach Pass von Schrammel die Abseitsfalle aufhoben, machte Guillem (bis dahin kaum zu sehen) sein fünftes Saisontor. Sturm versuchte es danach mit der Brechstange, wirkte aber auch nicht mehr so dynamisch wie vor der Pause - und hätte doch noch zumindest einen Punkt retten können. Knapp vor dem Schlusspfiff knallte Schildenfeld ein Zuspiel des eingewechselten Mevoungo aus wenigen Metern weit über die Latte.
"Uns fehlen ein paar Prozent"
Auch die Sturm-Spieler selbst rätselten, warum es in den wirklich wichtigen Spielen nicht klappt. Während die Ried-Kabine noch unter den Jubelgesängen wackelte, schlichen die Sturm-Spieler geknickt zum Ausgang. "Die mögliche Tabellenführung ist wurscht, die verlorenen drei Punkte tun weh", ärgerte sich Joachim Standfest. "Es ist in diesen Spitzenspielen wie verhext. Wir vergeben unsere Chancen, die Rieder sind nur auf's Zerstören aus und machen aus dem Nichts das Tor. Aber solche Spiele gibt es eben leider."
Auch Ferdinand Feldhofer verstand die Welt nicht mehr: "Wenn ich an den Sieg bei der Austria vor zwei Wochen denke, ist das wie hundert zu eins." "Eigentlich", grübelte Andi Hölzl, "war das eine typische Nullnull-Partie, aber es passiert uns ja nicht zum ersten Mal." Oder wie's Trainer Foda sagte: "Wir haben erst die Chancen nicht genützt und es dann mit Gewalt versucht. Uns fehlen ein paar Prozent, um ganz vorne mitspielen zu können. Wenn es um etwas geht, sind einige nicht in der Lage, ihre Leistung abzurufen."
SK Puntigamer Sturm Graz - SV Josko Ried 0:1 (0:0)
tipp3-Fußball-Bundesliga, 11. Runde, UPC-Arena Graz, 15.000 (ausverkauft), SR Grobelnik.
Tor: 0:1 (70.) Guillem.
Sturm: Gratzei - Standfest, Feldhofer, Schildenfeld, Perthel (74. Haas) - Hölzl, Kienzl (60. Mevoungou), Weber, Bukva (60. Klem) - Kienast, Szabics.
Ried: Hesl - Stocklasa, Glasner, Prettenthaler - Brenner, Mader, Schrammel - Royer (79. Carril), Hadzic, Nacho (90. Riegler) - Guillem (72. Hammerer).
Gelbe Karten: keine.
von Egon Rejc, "Steirerkrone"








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