Vergangene Nacht ist die 14-Jährige von der Volkshilfe bei einer Familie in Wien untergebracht worden, dort soll sie vorerst auch bleiben, berichtet Stephan Amann, Abteilungsleiter Flüchtlingsbetreuung bei der Volkshilfe Wien. Man hoffe, dass die Polizei das zulasse. Das Mädchen sei am Freitag nicht in die Schule gegangen, soll aber prinzipiell wieder die Schule besuchen. Die Volkshilfe möchte noch am Freitag mit dem Mädchen reden, wie es nun weitergeht, ebenso mit der Schule und dem Jugendamt.
Vorerst keine Abschiebung
Auch wolle man versuchen, mit der Mutter zu sprechen. Diese war bereits Mitte September nach einem Selbstmordversuch in psychiatrischer Behandlung gewesen. Der behandelnde Psychiater habe am Donnerstag empfohlen, die Frau ins Spital zu bringen, erklärte Amann. Sie befindet sich demnach nach wie vor in stationärer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.
Mit einer Abschiebung müssen die beiden Frauen vorerst nicht rechnen - wie lange die Aussetzung dauert, könne man nicht sagen, hieß es bei der Wiener Polizei. Diese hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, dass bis zum Vorliegen der medizinischen Gutachten über den Gesundheitszustand der Mutter und des Mädchens von einer behördlichen Überstellung nach Ungarn Abstand genommen werde.
Über Ungarn eingereist, Verfahren dauerte vier Jahre
Die beiden Armenierinnen waren nach Angaben der Polizeidirektion im Februar 2006 über Ungarn nach Österreich gekommen. Ihr Asylantrag wurde im März gleichen Jahres zurückgewiesen, da Ungarn, wo die Frauen erstmals einen Asylantrag gestellt hätten, aufgrund der Dublin-Vereinbarung zuständig sei. Auch der Bundesasylsenat wies die Berufung gegen die Ausweisung im April 2006 ab, eine dagegen beim Verwaltungsgerichtshof (VwGH) eingebrachte Beschwerde wurde am 6. Mai 2010, nach vierjähriger Verfahrensdauer, abgelehnt.
Mutter und Tochter hätten eigentlich in diesen Tagen nach Ungarn überstellt werden sollen. Da die Exekutive die 14-Jährige am Mittwoch nicht in der Schule angetroffen hatte, wurde in der Folge auch die davor in ein Anhaltezentrum gebrachte Mutter wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Grund sei, dass man sie nicht ohne ihre Tochter des Landes verweisen könne, erklärte die Wiener Polizei.
Freunde des Mädchen, das als gut integriert gilt und laut Volkshilfe Vorzugsschülerin ist, beklebten am Donnerstag ihre Schule, das BORG 3 in Wien, mit Protestparolen gegen die geplante Überstellung.








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