Hypo-U-Ausschuss

Stoiber: "War nicht Kontrolleur der Kontrolleure"

Kärnten
14.10.2010 10:12
Als Zeuge hat sich Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber am Mittwoch dem Hypo-U-Ausschuss in München stellen müssen. Doch es zeigte sich: Stoiber will vom Deal wenig gewusst haben. Bedenken hatte er aber keine: "Es gab nie eine rote Warnleuchte." Die leuchtete nur bei Jörg Haider: Ihn wollte er nicht treffen.

Großer Bahnhof für Stoiber im Münchner Landtag: Ein gutes Dutzend Kamerateams, darunter der ORF, lauerte auf den ehemaligen Regierungschef. Das Blitzlicht-Gewitter hatte Hollywood-Format. Aufnahmen von Stoiber im Zeugenstand gibt es trotzdem nicht: Der alte Profi plauderte so lange mit seinen ehemaligen Kollegen, bis die Fotografen und Kameraleute aus dem Raum gewiesen worden waren.

"War nicht der Kontrolleur der Kontrolleure"
Tenor seiner fast vierstündigen Einvernahme: "Ich war nicht der Kontrolleur der Kontrolleure." Der Kauf der Hypo sei nicht seine Idee gewesen, er habe niemanden unter Druck gesetzt. Er sei zwar über die Kaufpläne informiert worden, Details habe er aber nicht gekannt.

Weit von sich wies Stoiber auch Behauptungen, er hätte beim kroatischen Ministerpräsidenten Ivo Sanader wegen des Hypo-Kaufs interveniert: "Ich wurde gebeten, wegen diverser Probleme mit Sanader zu reden. Ich habe ihn angerufen, und Sanader hat mir erklärt, dass er in der Sache nichts tun kann. Deshalb habe ich mich erfolglos bemüht." Was für ein Glück beziehungsweise Pech für die Bayern, dass die kroatische Notenbank trotz Stoibers Scheitern dennoch ihre Zustimmung gab.

Breiten Raum bei der Befragung nahm Stoibers Verhältnis zu Jörg Haider ein. Dieser hätte im Zusammenhang mit dem Hypo-Verkauf um ein Treffen ersucht. "Ich habe das mit deutlichen Worten abgelehnt", so Stoiber.

"Kenne Herrn Martinz oder Martinez nicht"
Zu Haiders Aussage vor dem ersten Hypo-Ausschuss, Stoiber hätte den Deal maßgeblich unterstützt, meinte dieser: "Da war der Wunsch Vater des Gedankens." Auch ÖVP-Chef Josef Martinz hatte erklärt, Stoiber habe sich persönlich eingesetzt. Stoiber: "Ich kenne diesen Herrn Martinz oder Martinez nicht."

Warum er trotz seiner Ablehnung Haiders dann mit dem Kauf der Kärntner Landesbank einverstanden gewesen sei? Stoiber: Das ökonomische Geschäft sei in Ordnung gewesen, politische Geschäfte hätte er mit Haider nicht gemacht. Jetzt ärgere er sich auch über das finanzielle Geschäft, das für die Bayern ein Desaster war.

von Waltraud Dengel, "Kärntner Krone"

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