15.10.2020 13:48 |

Sechs gegen Goodyear

So gefährlich sind billige Ganzjahresreifen

Kurz vor dem Termin zum Reifenwechseln (ab 1. November gilt situative Winterreifenpflicht) stellt sich immer wieder die Frage: Sind die alten noch gut genug? Wenn nicht, denken viele Autofahrer darüber nach, wie sie sparen könnten. Erster Gedanke: Ganzjahresreifen. Zweiter Gedanke: Billigreifen. Beides hat die Sachverständigenorganisation KÜS nun zu einem Test kombiniert - mit teils erschreckenden Ergebnissen.

Es ist natürlich verlockend: Weil die Winter immer milder werden, wollen sich viele Spezialreifen für den Winter und das zweimal jährliche Wechseln sparen und lieber nur ein Reifenmodell für das ganze Jahr aufziehen. Und weil der Euro gerade in Corona-Zeiten bei vielen noch weniger locker sitzt, kann der Gedanke schon mal zu Billigreifen aus Fernost schweifen. „Ich fahre doch sowieso nicht viel“ oder „ich fahre nicht schnell“ ist da oft ein Argument. Doch gerät man in eine Notsituation, ist es unerheblich, wie viel man unterwegs ist, und es kann auch bei vorsichtiger Fahrweise passieren, dass man eine Notbremsung absolvieren oder ausweichen muss. Und dann ist es wichtig, dass die Reifen, die bekanntlich die einzige Verbindung zur Straße sind, etwas taugen.

Die Prüf- und Sachverständigenorganisation KÜS hat sechs der im Handel am häufigsten vertretenen Ganzjahresreifen der Dimension 205/55 R16 aus asiatischer Produktion gegen einen europäischen Markenreifen antreten lassen. Die Namen der „Billigreifen“ klingen vielversprechend, die Eigenschaften von Apollo, Ovation, Imperial, Superia, Blacklion und Berlin sind jedoch ernüchternd.

Kurzes Testfazit: Keiner der sechs Low-Budget-Pneus im Test kann mit einem europäischen Markenreifen mithalten. Extrem lange Bremswege und Handlingprobleme werden schnell zur Gefahr für Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer.

Bis zu zehn Meter mehr Bremsweg bei 80 km/h
Bei einer Vollbremsung auf nasser Fahrbahn aus einer Geschwindigkeit von 80 km/h hat im Vergleich zum Referenzreifen (31,7 m gesamt) der schlechteste der „Billigreifen“ einen um fast zehn Meter längeren Bremsweg (41,6 m gesamt).

Nicht weniger erschreckend die dazugehörige Restgeschwindigkeit beim Bremsvorgang aus 80 km/h. Während das Auto mit den Referenzreifen nach knapp 32 Metern steht, rauscht das Fahrzeug mit den „Billigreifen“ mit Geschwindigkeiten von bis zu 39 km/h vorbei und kommt erst viele Meter weiter zum Stillstand (siehe Ergebnistabelle). Noch extremer sind natürlich die Werte beim Bremsen von 100 auf 0 km/h: Während der Referenzreifen bereits steht, ist der schlechteste der getesteten Ganzjahresreifen beispielsweise noch mit einer Restgeschwindigkeit von knapp 49 km/h unterwegs.

Wie gut oder wie schlecht ein Reifen ist, zeigt sich auch beim Aquaplaning-Verhalten. Der Referenzreifen bleibt bei 80 km/h in der Spur und schwimmt nicht auf. Ganz anders die „Billigreifen“: Beim Überfahren der Nassfläche mit 80 km/h schwimmen die Pneus auf, das Auto untersteuert massiv und kann nicht auf Kurs gehalten werden.

„Bei einem Lastwechsel bricht das Fahrzeug aus“
Ähnlich schlecht verhalten sich die Asia-Pneus auf dem Handling-Kurs. Schon beim Anfahren fehlt es ihnen an Traktion und das Auto mit den Referenzreifen fährt vornweg. Die „Billigreifen“ haben keine Chance mitzuhalten: schlechtes Gripniveau, keine Seitenführung und kaum Traktion. Bei einem Lastwechsel bricht das Fahrzeug aus, für einen ungeübten Fahrer ist diese Situation kaum beherrschbar.

Unterm Strich:
„Die Testergebnisse zeigen, Ganzjahres-Billigreifen können in kritischen Situationen teilweise lebensgefährlich sein“, so die KÜS. Wer beim Reifenkauf nur auf den Preis schaut, spart am falschen Fleck. Denn wenn es um die Sicherheit geht, spielen die Eigenschaften der Reifen eine entscheidende Rolle. Deshalb der Rat der KÜS-Experten für alle sicherheitsbewussten Autofahrer: Hände weg von Billigreifen!

So hat die KÜS getestet
Die Reifen der Dimension 205/55 R16 wurden auf zwei serienmäßigen und identischen VW Golf auf ihre Bremsweg-, Aquaplaning- und Handling-Eigenschaften getestet. Als Referenzreifen diente ein europäischer Ganzjahresreifen der Marke Goodyear. Gefahren wurde der Test auf einer ausgewiesenen Reifenteststrecke in Deutschland. Eine spezielle Hard- und Software der neuesten Generation sorgte für präzise Messergebnisse. Sämtliche Daten wurden onboard erfasst und von Reifenexperten vor Ort ausgewertet.

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