Nobelpreis für Liu

China sagt Delegationsbesuche in Norwegen ab

Ausland
13.10.2010 18:29
China hat mindestens vier geplante Delegationsreisen nach Norwegen abgesagt oder verschoben. Das teilte das Außenministerium in Oslo am Mittwoch mit. Außerdem hätten die chinesischen Behörden einer norwegischen Regierungsdelegation auf Ebene leitender Ministeriumsbeamter wegen angeblichen Zeitmangels den Empfang verwehrt. Tatsächlicher Grund für sämtliche Absagen aus Peking dürfte die Verleihung des diesjährigen Friedensnobelpreises an den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo sein.

Laut der norwegischen Nachrichtenagentur NTB handelt es sich bei den eingestellten Besuchen aus China unter anderem um eine Delegation von Repräsentanten des chinesischen Höchstgerichts, eine politisch-militärische Gesandtschaft sowie um eine gemischte Gruppe aus Beamten, Experten und Journalisten, die sich mit dem nordeuropäische Wohlfahrtsmodell bekannt machen wollten. Das norwegische Außenministerium "bedauerte" die eingestellten Besuche.

Friedensnetzwerker kritisiert Vergabe an Liu
Der Norweger Johan Galtung, einer der Gründerväter der Friedens- und Konfliktforschung und Träger des Alternativen Nobelpreises im Jahr 1987, hat die Vergabepraxis des Friedensnobelpreiskomitees stark kritisiert. "Auch in diesem Jahr ist der Friedensnobelpreis wieder für westliche, sprich US-amerikanische, Interessen missbraucht worden“, so der Gründer und Direktor des Friedensnetzwerkes Transcend.

Spätestens seit der kontroversen Vergabe des Preises an den US-Präsidenten Barack Obama ist klar, dass die Vergabepraxis des Nobelpreiskomitees zu einem Instrument norwegischer Bündnispolitik verkommen ist", hieß es am Mittwoch in einer Aussendung von Transcend,

"Nicht im Sinne Alfred Nobels"
Das Vermächtnis Alfred Nobels sollte eine Auszeichnung für die Friedensschaffung über Staatsgrenzen hinaus oder die Reduktion von Armeen sein, so die Mitteilung. In diesem Jahr sei der Preis jedoch einem innenpolitischen Menschenrechtler, dem chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo, zugesprochen worden. Lius Auszeichnung entspreche weniger den Kriterien Nobels als den Interessen der US-amerikanischen Außenpolitik, deren größte Konkurrenz von China ausgehe.

"Die Tragik, dass der Wille Nobels außenpolitischen Interessen weichen musste, wird durch den Fakt, dass diese Interessen alles andere als friedensschaffend sind, noch verschärft", so Transcend weiter, weil die USA, Israel, das Osmanische Reich und Großbritannien in den vergangenen Jahrhunderten - gemessen an ihrer Kriegsbeteiligung durch die Jahre ihres Bestehens - am aggressivsten gewesen seien.

China kämpft mit Nationalismus gegen Nobelpreis
Die chinesische Regierung verurteilt die Vergabe des Friedensnobelpreises an den chinesischen Dissidenten und Bürgerrechtler Liu mittlerweile als "Verschwörung des Westens" und greift zu nationalistischer Propaganda, um die Bevölkerung weiterhin auf die kommunistische Regierung einzuschwören.

Das Nobelkomitee sähe China am liebsten "ideologisch zerrissen" oder "zusammenbrechen wie die Sowjetunion". Der Westen wolle China "seine Werte aufzwingen", heißt es in amtlich abgesegneten Kommentaren. Der Friedensnobelpreis für den verurteilten Bürgerrechtler Liu Xiaobo im Gefängnis sei eine "Missachtung des chinesischen Rechtssystems", kritisiert der Sprecher des Außenministeriums, Ma Zhaoxu, scharf. Politiker einiger Länder nutzten die Gelegenheit dazu, "um China anzugreifen", so Zhaoxu.

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