Der Fall der achtjährigen Zwillinge aus dem Kosovo (siehe Infobox) hatte in der Woche vor der Wien-Wahl bewegt. Nachdem die Mutter der beiden kurz vor der geplanten Abschiebung wegen akuter Selbstmordgefahr ins Krankenhaus gebracht werden musste, wurden die Mädchen gemeinsam mit ihrem Vater in einem Anhaltezentrum festgesetzt und tags darauf in ihre Heimatland ausgeflogen.
Kritisiert wurde nicht nur, dass die Kinder ohne ihre Mutter in den Kosovo reisen mussten, sondern auch, dass sie im Morgengrauen von bewaffneten Beamten der Sondereinsatzgruppe WEGA quasi aus dem Bett gerissen worden seien und nicht einmal ihre Sachen mitnehmen durften.
Fekter: "Hat auch mich enorm berührt"
Im Ö1-"Mittagsjournal" erklärte Fekter am Mittwoch, dass die Bilder von der Abschiebung, die durch die Medien gingen, "doch sehr schmerzhaft" gewesen seien. "Das hat auch mich enorm berührt." Daher habe sie sofort veranlasst, "dass wir da in Zukunft humaner vorgehen".
Dafür wurde vom Innenministerium ein Sechs-Punkte-Programm entwickelt:
Ministerin zieht Thema Integration an sich
Indes nimmt sich Fekter - mit einer Strategie namens "Innen.Sicher." - auch des Themas Integration an. Bei einem Kongress im Linzer Design Center, bei dem sie am Mittwoch 1.700 Führungskräfte bis hinunter zur Ebene der Polizeiinspektions-Kommandanten auf die neue Strategie ihres Ressorts einschwor, kündigte sie neben konsequentem Durchgreifen im Fremdenrecht auch einen Katalog von Integrationskennzahlen und institutionalisierte Migrationsforschung im Ministerium an.
Fekter, die sich während ihres knapp zweistündigen Referats mehrmals als "Integrationsministerin" bezeichnete, pochte auf "effizientere Einreisekontrollen", "konsequentere Außerlandesbringungen" und eine bessere Fremdenrechts-Ausbildung der Polizisten. "Jeder muss wissen, was zu tun ist, wenn er einen sich illegal Aufhältigen vor sich hat oder ein Dokument offensichtlich gefälscht ist." Neben rechtsstaatlicher Vorgangsweise müsse auch der "mediale Gegenwind" mitbedacht werden, betonte sie.
Fekter fordert Bundesamt für Asyl und Migration
Die Innenministerin plädierte erneut für ein Bundesamt für Asyl und Migration aufbauend auf dem "international ausgezeichneten Bundesasylamt". In dieser Frage gebe es derzeit Bewegung auf politischer Ebene, dies gelte es zu nutzen. Fekter will aber auch Grundlagen und Ursachen von Migrationsströmen besser durchleuchtet wissen. Das Fremdeninformationssystem soll ausgebaut werden, mit den Informationen daraus will sie das Grundversorgungscontrolling weiterentwickeln.
Die Ministerin sagte aber nicht nur Asylmissbrauch und Schlepperei den Kampf an, sondern will auch sicherstellen, dass alle Zuwanderer die deutsche Sprache beherrschen - "auch wenn in einem internationalen Konzern vielleicht nur englisch gesprochen wird" -, um künftigen Problemen vorzubeugen. Alle Integrationsmaßnahmen, "natürlich auch unsere eigenen", sollen künftig geordnet unter die Lupe genommen und die Ergebnisse in einem jährlichen Bericht dokumentiert werden.
Polizei als "größte Menschenrechtsorganisation"
Die Strategie "Innen. Sicher." beinhaltet insgesamt 57 Projekte. Der Bogen spannt sich von effizienterem Wissensmanagement, besserer Kommunikation mit anderen Behörden und der Bevölkerung über die Errichtung eines zentralen Verkehrsstrafamtes bis hin zu dienstrechtlichen und budgetären Überlegungen.
Ein Zauberwort in dem Papier ist "mehr Bürgernähe". Diese soll unter anderem mit einer Streifendienst-Offensive, mobilen Polizeistationen und der Möglichkeit von Online-Anzeigen verbessert werden. Fekter will die Polizei als "größte Menschenrechtsorganisation Österreichs" positionieren. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Cyber-Kriminalität. "Das Recht auf Sicherheit muss zumindest gleichwertig mit dem Datenschutz gestellt werden, wenn es um Kriminalitätsbekämpfung geht", forderte die Ministerin. "Datenschutz darf nicht zum Täterschutz werden."










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