Bergleute von Chile
Der harte Weg der Kumpel zurück in die Normalität
Nach ihrer Bergung werden die Arbeiter zunächst zwei Tage in einem Krankenhaus untersucht. Sehschwierigkeiten beim Kontakt mit Tageslicht, Hautprobleme und Zahnschmerzen wurden bereits als mögliche Probleme erkannt. Die chilenische Regierung hat versichert, dass sie die Männer, die zu Volkshelden geworden sind, nicht im Stich lassen werde. Neben der medizinischen Betreuung sollen ihnen auch mindestens sechs Monate lang Psychologen zur Seite stehen, wie Gesundheitsminister Jaime Manalich ankündigte. Während dieser Zeit könnten die Kumpel "Phasen der Traurigkeit und Depression durchleiden".
"Die Männer in Chile werden viele Monate lang Hilfe brauchen", sagt auch der deutsche Traumaexperte Georg Pieper. Er war 1988 als erster Psychologe hinzugezogen worden, als sechs Bergleute drei Tage lang in einem Stollen im hessischen Borken verschüttet waren. Er betreute die Männer mehr als fünf Jahre lang und ist noch heute mit ihnen in Kontakt. Die Erfahrung von Todesangst und Trennung von Familie und Freunden werde unterschiedlich verarbeitet, sagt Pieper: "Der eine macht sein Testament, der andere ist unerschütterlich." Im Anschluss an eine solche Erfahrung könnten sich Traumafolgestörungen entwickeln, wie Depressionen oder Klaustrophobie. Auch der Druck durch die Medien könne als Belastung erfahren werden.
"Für die Bergleute hat sich alles geändert"
Nach Einschätzung des chilenischen Psychologen Chía wird der Umgang mit der Außenwelt für die Bergleute am schwierigsten werden: "Die Familie, die Gewohnheiten, die Realität des Landes - alles hat sich geändert." Experten der US-Weltraumbehörde NASA, die die chilenischen Rettungstrupps im September beraten hatten, wiesen besonders auf die Auswirkungen der "hohen Bekanntheit im Land, den Druck durch die Medien und die Gesellschaft" hin. "Einige Bergleute werden mit TV-Angeboten bombardiert werden. Sie können sogar Karriere machen", sagt Rene Rios, Soziologe an der Katholischen Universität von Chile. In etwa einem halben Jahr werde der Rummel um die Bergleute aber vorbei sein.
Der Psychologe Chía nimmt an, dass die Bergleute begreifen werden, wie begrenzt ihre Berühmtheit sei und dass sie daraus Kapital schlagen sollten, um dann ein neues Lebensprojekt zu beginnen. Letztlich könne eine solche Erfahrung stärken oder schwächen - aber nie bleibe eine Person dieselbe. Der Psychologe sieht daher durchaus die Gefahr, dass einige Kumpel Probleme in ihrer Beziehung bekommen und sich in Medikamente oder Drogen flüchten.
Zusammenhalt der Gruppe kann helfen
Was den geretteten Bergleuten helfen könnte, ist der in den langen Tagen unter der Erde gewachsene Zusammenhalt in ihrer Gruppe. "Obwohl sie aus verschiedenen Regionen Chiles und aus Bolivien stammen, wollen sie nach ihrer Rettung zusammen bleiben", berichtete ihr medizinischer Betreuer Alejandro Pino.
Abgesehen von den psychischen Unwägbarkeiten sieht Chiles Gesundheitsminister keine gesundheitlichen Probleme auf die Männer zukommen. "Sie sind in einem sehr guten Gesundheitszustand", sagte Jaime Manalich wenige Stunden nach Beginn der Rettungsaktion in einer von der BBC ausgestrahlten Stellungnahme. "Wir sehen keinerlei Probleme."
Von den ersten bereits geretteten 33 Bergleuten konnte der Minister berichten: "Ihre Genesung läuft gut und so wie vorgesehen." Auch der Gesundheitszustand der noch unter der Erde ausharrenden Männer sei den Umständen entsprechend gut. Das hätte die kurze Untersuchung der Hilfskräfte ergeben, die mit der Rettungskapsel hinabgefahren waren.







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