16.000 Teilnehmer

Kärntner feiern 90. Jahrestag ihrer Volksabstimmung

Österreich
10.10.2010 19:53
Unter strahlend blauem Himmel hat am Sonntag in der Klagenfurter Innenstadt der große Festumzug zum 90. Jahrestag der Kärntner Volksabstimmung von 1920 stattgefunden. Rund 16.000 Teilnehmer waren dabei und präsentierten sich in bunten Trachten. Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) bekräftigten, die Ortstafelfrage bis 2012 lösen zu wollen.

Trachten- und Heimatverbände, Kulturorganisationen, Brauchtumsgruppen und -vereine, über 80 Blaskapellen und Vertreter aus über 130 Gemeinden aus allen Teilen des Landes haben sich Sonntag früh in Klagenfurt versammelt, um beim großen Festzug mit dem Motto "Kärnten - Gestern-Heute-Morgen" mitzumarschieren.

Mit Bad Eisenkappel, Globasnitz, Ludmannsdorf und Feistritz ob Bleiburg präsentierten sich auch vier der zweisprachigen Gemeinden offiziell am Umzug auch zweisprachig. Außerdem zeigten sich Vertreter aus angrenzenden Regionen wie Friaul-Julisch-Venetien oder Regionen in Slowenien mit bunten Trachten und geschmückten Wagen.

Drei Kilometer langer Festzug
Die Schlange der Teilnehmer erstreckte sich über drei Kilometer in der Innenstadt, beginnend am Völkermarkter Ring über den Heuplatz, von Villacher Ring bis zum Neuen Platz und anschließend vorbei bei der Ehrentribüne und dem Lindwurm am Neuen Platz. Im Vergleich zu dem Jubiläumsfestzug im Jahr 2000 verzeichnete die Veranstaltung in diesem Jahr allerdings eher mäßiges Zuschauerinteresse.

"Die Zeit ist reif - Cas je zrel"

"Die Zeit ist reif - Cas je zrel", sagte Fischer in seiner Rede am Neuen Platz und rief alle Beteiligten zu "verantwortungsvollem Handeln auf, um diese Reifeprüfung der Geschichte zu bestehen". Die Politiker sollen "Mut zur Zukunft haben" und den "Streit der Geschichte hinter sich lassen", meinte der Bundespräsident.

Auch Bundeskanzler Faymann sprach das Thema Ortstafeln an. Er habe die "berechtigte Hoffnung, dass wir bis 2012 eine Lösung haben". Er erinnerte daran, dass 1920 rund 60 Prozent der Wahlberechtigten für Österreich gestimmt hätten, darunter wären viele Slowenen gewesen. Auch Landeshauptmann Dörfler zeigte sich konsensbemüht: "Es ist unsere Aufgabe, das Vermächtnis der 90-Jahr-Feier so zu verstehen, dass wir eine gute Lösung finden", erklärte er.

Dörfler und Inzko moderierten Radiosendung
Für Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) und den Obmann des Rates der Kärntner Slowenen, Valentin Inzko, begann der Arbeitstag am Sonntag schon sehr früh: Die beiden moderierten ab 6 Uhr die zweisprachige Morgensendung des ORF-Radio Kärnten. Fast zwei Stunden lang plauderten sie über Kärnten und seine Chancen am Schnittpunkt dreier Kulturen.

Dann ging es mit einem ökomenischen Gottesdienst im Klagenfurter Dom mit Bischof Alois Schwarz und Superintendent Manfred Sauer weiter. Beide Würdenträger riefen die Bevölkerung in ihren Predigten zu gegenseitigem Respekt und Wertschätzung auf. "Statt eines auseinander treibenden 'Entweder-Oders' brauchen wir ein neues 'Sowohl-als-auch' in unserem Land", betonte Schwarz. Sauer hob in seiner Rede die gemeinsamen Wurzeln der beiden Volksgruppen hervor und hoffte, dass "das Vertrauen wächst, das Misstrauen verschwindet".

10. Oktober 1920
Nach dem Ende des 1. Weltkrieges beanspruchte der SHS-Staat - das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen - jene Gebiete in Südkärnten, die überwiegend von Slowenen bewohnt wurden. Es kam zum bewaffneten Widerstand, dem sogenannten Kärntner Abwehrkampf, in dessen Folge eine Volksabstimmung festgelegt wurde. Am 10. Oktober 1920 entschieden sich mehr als 59 Prozent der Bevölkerung in der Abstimmungszone für den Verbleib bei der damals noch jungen Republik Österreich. Auch die Kärntner Slowenen hatten mehrheitlich für einen Verbleib bei Österreich gestimmt.

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.



Kostenlose Spiele