Explosion an Bord

Feuer auf Ostsee-Fähre weitgehend erloschen

Ausland
10.10.2010 17:18
Der verheerende Brand auf der Ostseefähre "Lisco Gloria" ist einen Tag nach dem Unfall weitgehend erloschen. Der Brandherd glimme nur noch, sagte der diensthabende Kommandant des dänischen Seerettungsdienstes SOK am Sonntag. "Wir denken, es ist von alleine ausgegangen", meinte der Chef der Rettungszentrale. Die mehr als 200 Personen an Bord konnten gerettet werden, einige wurden verletzt.

Die Einsatzkräfte waren am Sonntag weiter damit beschäftigt, die heiße Außenhaut des Schiffes zu kühlen. Die Lage sei unter Kontrolle: "Das Schiff liegt stabil und vor Anker", sagte der Kommandant. Helfer waren am Samstag von einem Hubschrauber aus an Bord des brennenden Schiffes gegangen und hatten etwa vier Kilometer vor der Küste der dänischen Insel Langeland den Anker der "Lisco Gloria" setzen können.

"Es ist keinerlei Öl ausgetreten", betonte der Kommandant. Vier Spezialschiffe lagen weiter an der Unglücksstelle, um notfalls einzugreifen. An Bord befinden sich neben 200 Tonnen Schweröl auch 18 Tonnen Diesel und 25 Tonnen Maschinenöl.

Wärmebildkameras sollen bei Einschätzung der Lage helfen
Sobald die Fähre abgekühlt ist, sollen Feuerwehrleute an Bord gehen, um nach Glutnestern zu suchen. Wie lange das dauere, sei "unmöglich zu sagen". Die Lage an Bord und die Temperatur der Außenhaut könnten unter anderem mit Wärmebildkameras eingeschätzt werden, sagte ein Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven, das die Rettungsaktion am Samstag koordiniert hatte.

Sobald wie möglich sollten Spezialisten mit der Bergung des Wracks beginnen. Männer eines darauf spezialisierten holländischen Unternehmens seien von der dänischen Reederei DFDS beauftragt worden und unterwegs.

Brennendes Lastwagenaggregat als Brandursache
Als Ursache der Katastrophe haben die Behörden ein brennendes Lastwagenaggregat ausgemacht. Ein Besatzungsmitglied habe bei einem Rundgang auf dem Fahrzeugdeck Rauchentwicklung bemerkt und einen erfolglosen Löschversuch unternommen, sagte der Leiter des Lagezentrums im schleswig-holsteinischen Innenministerium, Joachim Gutt, am Samstagabend. Eine vorsätzliche Straftat oder ein Terroranschlag seien auszuschließen.

Die "Lisco Gloria", die für eine litauische DFDS-Tochter fährt, war in der Nacht auf Samstag auf dem Weg von Kiel nach Klaipeda in Litauen vor der Insel Fehmarn in Flammen aufgegangen. Alle 249 Menschen an Bord - unter ihnen 20 Deutsche - wurden in einer dramatischen Rettungsaktion an Land gebracht. 28 Menschen wurden nach Angaben eines Notarztes verletzt. Nach Reedereiangaben befanden sich am Sonntag noch zwei Passagiere im Krankenhaus.

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