Nach Ölpest im Golf

Kommission kritisiert Reaktion der US-Regierung

Ausland
07.10.2010 19:50
Eine von Präsident Barack Obama selbst eingesetzte Kommission hat die Reaktion der US-Regierung auf die Ölpest im Golf von Mexiko harsch kritisiert. Fast sechs Monate nach Beginn der Katastrophe prangerte das Gremium insbesondere an, dass in der Obama-Administration Verwirrung über das Ausmaß des Desasters herrschte und sich die Regierung teils auf dilettantische Berechnungen stützte. Das Weiße Haus wies die Vorwürfe am Donnerstag zurück.

Auch habe es Versuche gegeben, die Öffentlichkeit über die Schwere der Umwelttragödie im Unklaren zu lassen, heißt es in den am Mittwoch veröffentlichten vorläufigen Untersuchungsberichten der Kommission weiter. Die Bevölkerung sei über Wochen im Dunkeln getappt.

"Die Regierung erweckte den Eindruck, dass sie entweder nicht völlig kompetent war, die Ölpest zu bewältigen, oder nicht völlig offen gegenüber dem amerikanischen Volk über die Reichweite des Problems war", stellt die Kommission fest. Dadurch seien wirksame Maßnahmen sofort nach dem Unglück verlangsamt worden.

Weißes Haus weist Vorwürfe zurück
 Der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, räumte am Donnerstag zwar ein, dass die Schätzungen der Regierung über das Ausmaß des Ölaustritts anfangs sehr ungenau gewesen seien. Aber es habe niemals Bestrebungen gegeben, die Veröffentlichung möglichst akkurater Zahlen zu vermeiden. Im Übrigen, so Gibbs weiter, habe die Reaktion der Regierung niemals auf öffentlichen Schätzungen des Ölflusses beruht, sondern auf der Annahme des schlimmstmöglichen Szenarios. Die Antwort in Washington auf die Katastrophe sei schnell und umfassend gewesen, sagte auch die Chefin der Nationalen Behörde für Ozeanographie (NOAA), Jane Lubchenko.

Konkret lastet die Kommission der Administration an, dass sie in den ersten Tagen nach der Explosion auf der Ölplattform "Deepwater Horizon" am 20. April anscheinend überhaupt keinen fundierten Überblick über die Menge des austretenden Öls hatte. Später, als dann das Ausmaß der Katastrophe klarer geworden sei, habe es Differenzen zwischen einzelnen Stellen darüber gewesen, wie viel man der Öffentlichkeit mitteilen solle.

Informationen zurückgehalten
So habe die Budgetbehörde des Weißen Hauses im Mai die Veröffentlichung von Schätzungen über den Ölaustritt "im schlimmstmöglichen Fall" verzögert. Während unabhängige Wissenschaftler bereits von einem sehr hohen Ölfluss ausgegangen seien, habe die Regierung auf einer weitaus konservativeren Schätzung von Ende April beharrt - die etwa bei einem Zehntel der endgültigen Zahlen gelegen habe.

Die Kommission gibt zu bedenken, dass die Reaktion der Regierung auf die Katastrophe vielleicht von vornherein besser ausgefallen wäre, wenn es ein "stärkeres Dringlichkeitsgefühl" gegeben hätte. Dies wäre möglicherweise durch eine frühzeitige öffentliche Diskussion über das schlimmstmögliche Szenario erzeugt worden - was aber der Bevölkerung vorenthalten worden sei.

 Kritik gab es auch an der Darstellung von Obamas Top-Energieberaterin Carol Browner im August, nach der 75 Prozent des ausgetretenen Öls verschwunden seien. Diese Schlussfolgerungen hätten auf inakkuraten Kalkulationsmethoden beruht und seien nicht von tatsächlichen Regierungserkenntnissen gedeckt gewesen.

Insgesamt waren nach der Explosion auf der "Deepwater Horizon" nach aktuellen Schätzungen 660.000 Tonnen Rohöl in den Golf von Mexiko geströmt - mehr als bei jeder anderen Ölkatastrophe zuvor.

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