Riskante Geschäfte

F: Gericht verurteilt Ex-Banker Kerviel zu fünf Jahren Haft

Ausland
05.10.2010 11:38
Ein Pariser Gericht hat dem französischen Skandalhändler Jerome Kerviel die volle Schuld für seine milliardenschweren Finanzspekulationen gegeben und ihn dafür zu fünf Jahren Haft verurteilt. Zwei Jahre davon werden auf Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der heute 33-Jährige der Societe Generale die 4,9 Milliarden Euro zurückzahlen, die die Großbank durch seine Geschäfte 2008 verlor.

Der vorsitzende Richter Dominique Pauthe befand Kerviel in allen drei Anklagepunkten für schuldig: Neben Vertrauensmissbrauch waren das Fälschung und die betrügerische Eingabe von Daten in das Computersystem der zweitgrößten französischen Bank.

Richter: Bank wusste nichts von Spekulationen
"Die von der Verteidigung vorgelegten Elemente lassen nicht darauf schließen, dass die Societe Generale die betrügerischen Handlungen von Jerome Kerviel kannte", sagte Pauthe in seiner Begründung. Der ehemalige Banker habe seine Kompetenzen überschritten, indem er ohne Wissen der Bank Spekulationen "gigantischen Ausmaßes" vorgenommen habe. Kerviel habe die Weltfinanzordnung in Gefahr gebracht.

Ex-Banker: Institut ermutigte mich zu den Deals
Kerviel hatte mit bis zu 50 Milliarden Euro spekuliert und die Societe Generale damit an den Rand des Ruins gebracht. Der Angeklagte hatte in dem Prozess, der im Juni zu Ende ging, "Irrtümer" eingeräumt, aber die Bank für seine Spekulationen verantwortlich gemacht. Seine Vorgesetzten hätten nicht nur von seinen Geschäften gewusst, sondern ihn auch dazu ermutigt. Es sei ihm nur darum gegangen, "Geld für die Bank zu verdienen".

Verteidiger ortet "völlig unzumutbares" Urteil
Der Anwalt des Ex-Bankers, Starjurist Olivier Metzner, kündigte umgehend Berufung an. Er sprach von einem "völlig unzumutbaren" Urteil, "das wegen seines völlig übertriebenen Ausmaßes nicht hinnehmbar ist". Kerviel, der heute als Berater für ein Informatikunternehmen arbeitet, hat nach eigenen Angaben ein Monatsgehalt von 2.300 Euro. Um die 4,9 Milliarden Euro an seinen früheren Arbeitgeber zurückzuzahlen, bräuchte er mehr als 170.000 Jahre - wenn er seinen gesamten Verdienst abgeben würde.

Bank-Anwalt: "Art moralischer Wiedergutmachung"
Der Anwalt der Societe Generale sprach von "einer Art moralischer Wiedergutmachung". Das Gericht blieb lediglich beim Bewährungszeitraum unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die vier Jahre Haft und zusätzlich eines auf Bewährung gefordert hatte.

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