Nur ein Ermittler

Tirol ist Pseudo-Apotheken im Web hilflos ausgeliefert

Tirol
04.10.2010 14:44
Der Handel mit gefälschten Medikamenten ist ein Milliarden-Geschäft. Die meisten werden im Internet vertrieben. Apothekerkammer und Land warnen: Lebensgefahr droht! Dass in Tirol bereits falsche Tabletten aus dem Verkehr gezogen wurden, ist reines Glück. Denn nur ein Beamter ist für die Kontrolle zuständig.

Unvorstellbare 60 Milliarden Euro werden mit gefälschten Medikamenten umgesetzt. Ein gutes Geschäft für mafiöse Organisationen. Die sind bei der Herstellung nicht zimperlich. Tierkot, Abfälle, giftige Substanzen. In den falschen Pillen - die vom Original optisch nicht zu unterscheiden sind - finden sich viele schädliche Zutaten. "Die Polizei hat jüngst ein Herzmittel aus dem Verkehr gezogen. Es war aus Ziegelstaub, gelber Farbe und Möbelpolitur hergestellt", schildert der Tiroler Apothekerkammer-Präsident Martin Hochstöger.

Die heimische Exekutive ist nahezu machtlos gegen die Medikamenten-Mafia. "In Tirol ist nur ein Sonderermittler auf dieses Thema angesetzt. Viel zu wenig, wenn man den boomenden Online-Markt betrachtet", resümiert Hochstöger.

Zwar ist der Internet-Handel mit Arzneien hierzulande verboten, das weltweite Netz macht vor Staatsgrenzen aber nicht halt. Viele Tiroler bestellen über Deutschland. Potenz- und Schönheitsmittel führen die Hitliste  an. Sie gehören zu den am häufigsten gefälschten Präparaten. "Die Strafen für den Handel mit Plagiaten wurden Ende August verschärft. Wichtig ist aber, dass die Bevölkerung die Finger von vermeintlichen Schnäppchen im Internet lässt", appelliert Gesundheits-Landesrat Bernhard Tilg.

von Claudia Thurner, Tiroler Krone

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