13.09.2020 09:40 |

Kündigungswelle

Im Spital geben immer mehr Pflegekräfte auf

Im Spital ist in der Pflege die Schmerzgrenze erreicht: Die Corona-Krise hat für viele Kräfte, die schon vorher unter den Belastungen stöhnten, das Fass zum Überlaufen gebracht. „Die Luft ist bei vielen draußen“, heißt es aus Betriebsratskreisen. Die Arbeiterkammer warnt: Bis zu 70 Planstellen seien aktuell nicht besetzt.

Durch den Pflegekräftemangel gingen Spitalsmitarbeiter schon vor Corona oft an ihre persönlichen Grenzen: Dienstpläne sind dünn besetzt. Wenn ein Kollege ausfällt, wartet schnell einmal eine Zusatzschicht

Die Covid-Krise macht den Arbeitsalltag für immer mehr Pflegekräfte untragbar: „Viele haben sich zuletzt über Kündigungsmodalitäten informiert“, bestätigt Sabine Gabath, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende (FSG), fügt aber gleich hinzu: „Prinzipiell sind die SALK ein guter Arbeitgeber. Seit Corona geht es für einige aber nicht mehr.“

Die Arbeiterkammer warnte schon nach einer Mitarbeiterbefragung im Jahr 2018: 2 von 3 klagten über Zeitdruck und Stress. Ein großer Prozentsatz kritisierte aber auch die Organisation der Arbeitsabläufe. Wenn auch die Versorgung in der Pflege immer gewährleistet ist: Dringender Appell der AK war schon damals, Arbeitsbedingungen zu verbessern, weil die Belegschaft sonst ausbrenne.

Covid-Maßnahmen als weitere Belastung

Passiert sei seither nichts. Corona hat den Druck erhöht. Zu Beginn sorgte das Fehlen von Schutzausrüstung für Unbehagen. Durch den Abzug von Personal ins Covid-Haus mussten Kollegen in den anderen Abteilungen weitere Lücken auffüllen. Zulagen gibt es nur für Dienst im Covid-Haus.

Franziska Moser, Pflegedirektorin im Uniklinikum, betont, dass man sich um das Team bemühe. Die Zahlen kann sie nicht nachvollziehen: „Ich bin heuer besser besetzt als 2019. Aktuell fehlen rund zehn Stellen.“ Sie bestätigt aber Abgänge wegen Schwangerschaften.

Arbeiterkammer-Präsident Peter Eder berichtet im „Krone“-Interview über eine Kündigungswelle und fordert den Gesundheitslandesrat auf, zu handeln.

Bei Ihnen landen schlimme Schilderungen aus den SALK . . .?

Es ist wirklich Feuer am Dach. Pflegerinnen und Pfleger fehlen an allen Ecken und Enden. Es wird von schlechten Arbeitsbedingungen und fehlendem Schutz der Mitarbeiter berichtet. In den letzten Monaten gab es 20 bis 30 Kündigungen.

Sie haben schon nach der Umfrage 2018 Verbesserungen eingefordert. Was ist passiert?

Leider wurde das vom zuständigen Landesrat Christian Stöckl und der Spitals-Leitung ignoriert. Wir sind damals auch nicht mit Details an die Öffentlichkeit gegangen, sondern haben gesagt, dass es an der Zeit ist, zu reagieren. Jetzt rächt sich das, zumal mit der Covid-Krise die Herausforderungen enorm zugenommen haben.

Was wollen Sie jetzt unternehmen?

Wir werden gemeinsam mit dem Betriebsrat nicht locker lassen. Es geht um die Gesundheitsversorgung in diesem Land, um Maßnahmen, die den Pflegemangel bekämpfen und nicht noch weiter verschärfen.

Sabine Salzmann
Sabine Salzmann
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