28.08.2020 16:10 |

Wollte fairen Prozess

Türkische Anwältin nach Hungerstreik verstorben

Nach 238 Tagen im Hungerstreik ist die inhaftierte türkische Anwältin Ebru Timtik in einem Krankenhaus in Istanbul verstorben. Mit dem Streik wollte sie einen „fairen Prozess“ erreichen. Timtik wurde wegen Terrorvorwürfen verurteilt - wie ihre Kanzlei am Freitag via Twitter mitteilte, sei die Anwältin einen „Märtyrertod“ gestorben.

Timtik und ihr ebenfalls wegen Terrorvorwürfen verurteilter Kollege Aytac Ünsal waren im Zuge ihrer Prozesse in den Hungerstreik getreten. Auch Ünsal befindet sich derzeit wegen seines Zustandes zur Behandlung in einem Krankenhaus. Mit dem passiven Widerstand wollten die beiden die Verhandlungen neu aufrollen und dabei einen „fairen Prozess“ erreichen.

Mehrmals Freilassung gefordert
Noch vor wenigen Tagen hatten mehrere Zusammenschlüsse von Juristen die Freilassung der beiden Menschenrechtsanwälte gefordert. Beide befänden sich in kritischem Zustand, hieß es damals. Timtiks Anwaltskanzlei rief am Freitag zu einer Solidaritätsversammlung vor der Anwaltskammer in Istanbul auf, bevor sie beerdigt werde.

Anwältin vertrat Oppositionelle
Timtik gehörte nach Angaben von Unterstützern zu einer Gruppe von insgesamt 18 Anwälten in der Türkei, die wegen angeblicher Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Alle seien in Vereinigungen engagiert, die häufig Oppositionelle verträten, hieß es.

Ein Gericht in Istanbul hatte Timtik 2019 zu mehr als 13 Jahren und Ünsal zu mehr als zehn Jahren Haft verurteilt. Beiden waren Verbindungen zur linksextremen DHKP-C zur Last gelegt worden, die in der Türkei als Terrororganisation gilt.

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