23.08.2020 11:36 |

Wanderer erschöpft

Rettungsaktion bei Wind und Wetter auf 3000 Metern

Eine 61-Jährige ist am Samstag im Gemeindegebiet von Jerzens im Tiroler Bezirk Imst in Bergnot geraten und musste gerettet werden. Auf 2900 Meter Seehöhe bekam die Frau konditionelle Probleme, Schwierigkeiten mit dem Kreislauf und Erschöpfungszustände stellten sich ein. Weil eine Bergung mittels Hubschrauber zunächst nicht möglich war, stiegen die Retter zu Fuß auf und versorgten die erheblich unterkühlte Frau.

Die Gruppe, bestehend aus vier Wanderern, wollte zum Wildgrat aufsteigen - über einen „markierten, steilen und felsigen Steig“, wie die Polizei informiert. Eine 61-jährige Urlauberin bekam jedoch konditionelle Probleme - ihre Begleiter setzten einen Notruf ab, der um kurz nach 16 Uhr die Bergrettung Jerzens erreichte.

Dann musste alles ganz schnell gehen, wie Obmann Christian Kirchebner auf „Krone“-Nachfrage schildert: „Es war klar, dass wir möglichst rasch aufsteigen müssen“, sagt der Retter. Denn man sei bei dieser Tour gleich mal zweieinhalb bis drei Stunden unterwegs.

Hubschrauberflug zunächst nicht möglich
Das Wetter verschärfte die Situation zusätzlich, ein Hubschrauberflug war zunächst nicht möglich. „Es war alles voller Nebelbänke“, erklärt der Bergretter. Doch die gestrandeten Wanderer hatten sehr viel Glück, der Himmel lichtete sich kurz, die Einsatzkräfte konnten auf 2300 Meter geflogen werden, von wo sie den Rest zu Fuß aufstiegen.

Wanderer stark unterkühlt
Der erschöpften 61-Jährigen und ihren drei Begleitern setzte die kühle Temperatur auf knapp 3000 Metern indes weiter zu. Als die Bergretter nach rund einer Stunde Aufstieg oben ankamen, waren die vier Wanderer erheblich unterkühlt - ein Zustand, in dem sie „keinen Meter mehr gehen hätten können“, wie Kirchebner sagt. 

Den ehrenamtlichen Rettern und einem Notarzt gelang es, die Deutschen in einem Wärmezelt soweit zu stabilisieren, dass der „Abtransport über steiles Felsgelände“ möglich wurde. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit hatten die Urlauber erneut großes Glück: „Ein Nebelfenster konnte genutzt werden. Die Gruppe wurden vom Notarzthubschauber ,Martin 2‘ geborgen“, heißt es von der Polizei. „Die Frau war zwar erschöpft, blieb aber ansonsten unverletzt“, erklärt die Exekutive. 

Aufwendiger Einsatz
Für die Retter war es ebenfalls ein aufwendiger, anstrengender Einsatz. Der Aufstieg samt Gepäck und das Wetter verlangten schnelle Entscheidungen. „Es war wirklich großes Glück, dass sich die Nebelbank nochmal gelichtet hat“, sagt Kirchebner, „ansonsten wäre es eine Nachtaktion geworden.“

Tour als „familienfreundlich“ gekennzeichnet
Doch warum hatte sich die Gruppe für diese - doch sehr anspruchsvolle - Tour entschieden? Dem will Kirchebner noch auf den Grund gehen, denn es sei bereits das zweite Mal, dass Gerettete angaben, die Wanderung sei in einem deutschen Magazin als „familienfreundlich“ gekennzeichnet. Man will nun herausfinden, wo und wann diese Einschätzung erschienen ist - um sie so rasch als möglich zu korrigieren. 

Bergrettung kann sich vor Einsätzen kaum retten
Denn die ehrenamtlichen Retter haben diesen Sommer ohnehin genug zu tun. Immer öfter kommt es zu Einsätzen - auch in Jerzens war dies am Samstag bereits der zweite. „Ein Glück, dass Samstag war“, sagt Kirchebner, „unter der Woche ist es natürlich noch schwieriger.“ Denn die Bergrettung arbeitet ehrenamtlich - und stößt damit langsam aber sicher an ihre Grenzen, wie Landesleiter Hermann Spiegl jüngst im „Krone“-Gespräch erklärte.

Anna Haselwanter
Anna Haselwanter
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