22.08.2020 05:00 |

Gefährliche Verlockung

Vorsicht, kleine Beerenfreunde!

Himbeeren, Brombeeren, schwarze Ribiseln und Heidelbeeren haben nun Saison. Kinder lieben es, diese selbst zu pflücken und gleich zu essen. Doch dazwischen wuchern oft Giftpflanzen, deren farbenfrohe Früchte für die Kleinen sehr gefährlich werden können. Was zu tun ist, wenn Kinder unbekannte bzw. giftige Beeren verzehrt haben.

So schnell können Erwachsene oft gar nicht hinsehen, wie der Sprössling im Garten oder Wald ein paar Beeren in den Mund steckt. Wenn nicht klar ist, dass es sich dabei um essbare Früchte handelt, sollten Eltern Ruhe bewahren und dennoch rasch reagieren. „Bei einer Lebensmittelvergiftung kann es zu sehr unterschiedlichen Symptomen wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Müdigkeit kommen. Abhängig davon, wie viele Beeren von welcher Pflanze das Kind gegessen hat, sind auch Bewusstlosigkeit und Herz-Kreislauf-Probleme möglich. Und manche Giftpflanzen zeigen sogar erst nach 24 Stunden ihre Wirkung“, erklärt Prim. Dr. Oliver Wagner, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr (OÖ). Bitte daher nicht abwarten, ob Symptome auftreten, sondern sofort die Vergiftungsinformationszentrale (österreichweit und rund um die Uhr unter 01 406 43 43 erreichbar) anrufen.

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Bei Bewusstseinsveränderungen, Lähmungen, Muskelkrämpfen, Atmungsstörungen oder Bewusstlosigkeit sofort den Notarzt rufen!

Prim. Dr. Oliver Wagner, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr (OÖ)

„Beschreiben Sie die Pflanze und folgen Sie den Anweisungen am Telefon. Halten Sie Angaben zu Größe und Gewicht Ihres Kindes bereit und darüber, wie viel es vorher gegessen und getrunken hat. Geben Sie ihm währenddessen Wasser, Tee oder Saft in kleinen Schlucken zu trinken, um die Aggressivität des Giftes zu vermindern“, rät der Experte. Finden sich davor im Mund noch Reste der Beere, sollten Eltern diese aufbewahren und - wenn ein Arztbesuch notwendig ist - dorthin mitnehmen. Dadurch kann rascher bestimmt werden, um welches Gift es sich handelt.

Giftige „Verführer“ (Galerie)

Auf keinen Fall mit „Hausmitteln“ gegen die Vergiftung ankämpfen: „Dass das Einflößen von Salzwasser helfen soll, weil es das Kind zum Erbrechen bringt, ist eine Mär und mitunter sogar schädlich“, warnt Prim. Wagner. „Wird das Salzwasser nicht wieder vollständig erbrochen, kann das zu einer lebensgefährlichen Natriumvergiftung führen.“ Genauso wenig hilft Milch. Dazu der Arzt: „Diese entgiftet nicht. Eher das Gegenteil ist der Fall, weil das darin enthaltene Fett die Löslichkeit vieler Giftstoffe erhöht.“ Den Sprössling ebenso nicht mechanisch (Finger in dessen Hals stecken) zum Erbrechen bringen! „Vor allem bei Babys und Kleinkindern kann das dramatische Kreislaufreaktionen hervorrufen. Auch können so reizende Giftstoffe in die Atemwege gelangen“, berichtet er.

Monika Kotasek-Rissel, Kronen Zeitung

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