Kurz nach Einreise

Polen verklagen Holocaust-Leugner Irving

Ausland
21.09.2010 07:33
Angesichts der umstrittenen Polen-Reise des britischen Holocaust-Leugners David Irving hat eine polnische Nichtregierungsorganisation Irving am Montag verklagt. Der Verband Otwarta Rzeczpospolita (Offene Republik) wirft Irving vor, in seinem Buch "Hitlers Krieg" von 1977 den Völkermord an den Juden geleugnet zu haben.

"Warten wir nicht, bis Irving neue Verbrechen auf polnischem Gebiet begeht. Die Beweise zeigen eindeutig, dass er den Holocaust bereits geleugnet hat", heißt es dazu in der Klageschrift. In Polen wird die Verbreitung antisemitischer Äußerungen und das Leugnen des Völkermords an den Juden mit bis zu drei Jahren Haft bestraft.

Irving saß wegen Leugnung des Holocausts bereits in Österreich 13 Monate in Haft. Danach wurde er nach Großbritannien abgeschoben.

Genauer Ablauf der Reise geheim
Eigentlich hatte es geheißen, Irving breche am Dienstag zu seiner heftig kritisierten Reise nach Polen auf, bei der er Gedenkstätten zum Zweiten Weltkrieg besuchen will. Nach Informationen der polnischen Nachrichtenagentur PAP hielt sich der umstrittene britische Historiker aber bereits am Montag im südpolnischen Krakau auf, in dessen Nähe auch das NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau liegt. Er hält den genauen Ablauf seiner Reise geheim. 

Fragliche "Bildungsreise"
Irving hat den gut einwöchigen Besuch als eine Art "Bildungsreise" organisiert, an der nach Angaben von Kritikern vorwiegend Holocaust-Leugner und Neonazis aus Großbritannien, anderen westeuropäischen Staaten und den USA teilnehmen. Geplant sind unter anderem Besuche im früheren Vernichtungslager Treblinka und im ehemaligen Führerbunker Wolfsschanze.

Proteste wegen seiner Reise befürchtet Irving nicht. "Polen ist ein Rechtsstaat, und jeder hat das Recht, ihn zu besuchen. Darüber hinaus müsstet ihr mich zuerst lokalisieren. Wir werden inkognito reisen", erklärte er gegenüber der polnischen Tageszeitung "Gazeta Wyborcza".

Mit "Geschichtsliebhabern" unterwegs
Irving wollte nicht sagen, wo er sich mit seiner Gruppe befindet, die nach seinen Angaben aus "ernsthaften Personen" besteht. "Wir werden verschiedene Orte besichtigen, die mit dem Nazi-Völkermord verbunden sind. Sie haben mich für den Ausflug bezahlt, und ich will nicht, dass man sie stört", sagte Irving. Er wollte weder öffentlich machen, wie viele Personen an der Reise teilnehmen, noch, wer die Teilnehmer sind. Irving bezeichnete sie lediglich als "Geschichtsliebhaber". Laut der Zeitung kostete die Teilnahme an der Reise pro Person 2.650 US-Dollar (2.027 Euro).

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