Jetzt gibt's Festmahl
Chile: Verschüttete Kumpel feiern ersten Durchbruch
"Viva Chile", riefen die 33 Bergleute, als der Bohrer zu ihnen durchstieß. Die Bohrung mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern drang in einen Gang in der Nähe des Schutzraumes der Männer vor, in den sie sich nach dem Grubenunglück am 5. August flüchten konnten. Videoaufnahmen zeigten die Freude der Arbeiter angesichts des Durchbruchs, der Wasser und Geröll in die Tiefe schickte.
"Wir sind sehr erfreut darüber, was heute geschehen ist", sagte einer der Männer, Mario Sepulveda, der zu einem Sprecher der Gruppe wurde. Jetzt sei es Zeit für die dritte und letzte Phase, erklärte ein anderer Mann. Zunächst war die Regierung davon ausgegangen, dass es unter günstigsten Umständen bis Anfang November dauern würde, die Männer aus der Tiefe zu bergen. Das Bohrgerät vom Typ Schramm T-130 war aber schneller als erhofft vorangekommen. Stündlich stieß es 18 Meter weiter in die Tiefe vor. Nun muss die Röhre in einem zweiten Arbeitsschritt von 30 auf etwa 70 Zentimeter erweitert werden. Dies kann noch einige Wochen dauern.
Festmahl für die Kumpel am Jahrestag
Die seit dem 5. August verschütteten Bergleute müssen eventuell zunächst Geröll beseitigen, das aus dem Bohrloch in den Raum gefallen ist. Danach können sie sich auf ein Jahrestags-Festmahl freuen: Auf dem Speiseplan steht das traditionelle chilenische Essen zum Nationalfeiertag: Empanadas, Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen, sowie das als Asado bekannte Fleisch vom Holzkohlegrill.
Am Samstag und Sonntag wollen die Bergleute ihre Behausung in der Tiefe sogar mit Girlanden schmücken, eine Flagge hissen und die Nationalhymne singen. Nur der normalerweise dazugehörende Rotwein wird den Eingeschlossenen vorenthalten - es gilt Alkoholverbot.
Dritter Bohrer wurde bereits aufgebaut
Wesentlich sichtbarer als der Bohrerfolg in der Tiefe war für die Angehörigen, die seit Wochen bei der Mine im harschen Wüstenklima campieren, der Aufbau eines 45 Meter hohen Gitterturmes für eine dritte Bohrung. Dieses Gerät, das normalerweise für die Suche nach Erdöl und Erdgas eingesetzt wird, werde eventuell Anfang kommender Woche in Betrieb gehen, sagte Bergbauminister Laurence Golborne. Man liege, so Golborne, ein wenig vor dem Zeitplan. Trotzdem werde es wohl noch mehr als sechs Wochen dauern, den Rettungsschacht so zu verbreitern, dass die Kumpel in einem Korb einzeln nach oben geholt werden können.
Der Bohrer vom Typ Strata 950, mit dem die Bohrarbeiten begonnen worden waren, musste unterdessen in etwas mehr als 300 Metern Tiefe wegen Reparaturen gestoppt werden.
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