10.10.2020 06:01 |

Obere Mittelklasse

LG Velvet: 5G-Handy für die Massen am Prüfstand

Während in der High-End-Klasse der Smartphones immer aberwitzigere Preise für die 5G-Topmodelle der großen Hersteller ausgerufen werden, sickert der neue Mobilfunkstandard auch in die obere Mittelklasse hinab - etwa im LG Velvet, das für 600 Euro den Besitzer wechselt. Wir haben uns LGs 5G-Herausforderer angesehen - und waren recht angetan von dem Gerät.

600 Euro sind ein stolzer Preis für ein Gerät mit dem Mittelklasse-Prozessor Qualcomm Snapdragon 765, dafür spendiert LG seinem neuen Android-Smartphone Velvet aber auch einige Features, die man sonst nur in der Oberklasse findet - etwa ein wasserfestes Gehäuse (IP68), Stereo-Lautsprecher, einen Fingerscanner im Display und ein haptisch ansprechendes Metall-Glas-Chassis.

Auch beim OLED-Display mit 6,8 Zoll Diagonale, HDR-Unterstützung und 2460 mal 1080 Pixeln Auflösung braucht man sich nicht vor deutlich teureren Geräten zu verstecken. Den Klinkenanschluss, der heute vielen teuren High-End-Geräten fehlt, hat LG dabei dankenswerterweise nicht gestrichen.

Die komplette Hardware-Ausstattung des LG Velvet:

LG Velvet

CPU

Snapdragon 765:
2,4 + 2,2 + 6 x 1,8 GHz

RAM

6 GB

Diagonale

6,8 Zoll (OLED HDR10)

Auflösung

2460 x 1080 Pixel

Speicher

128 GB

Speicherkarten-Slot

bis 2 TB

Hauptkamera

48 MP (F/1.8)
8 MP (F/2.2) Weitwinkel
5 MP (F/2.4) Tiefenschärfe

Frontkamera

16 MP (F/1.9)

Funk

5G, LTE, .ac-WLAN, Bluetooth 5.1, NFC

Maße

167 x 74 x 7,9 Millimeter; 180 Gramm

Akku

4300 mAh (lädt via USB-C)

Extras

Metall-Glas-Chassis
Wasser- und staubfest (IP68)
Fingerscanner im Display
Stereo-Speaker
Kabelloses Laden (Qi)

Software

Android 10

Preis

ab ca. 600 Euro

Dass im LG Velvet kein absoluter High-End-Prozessor verbaut ist, merkt man in der alltäglichen Nutzung kaum: Qualcomms Achtkerner liefert, gepaart mit sechs Gigabyte RAM, mehr als genug Leistung für ein flüssiges Android-Bedienerlebnis, flotte App-Starts und reibungsloses Multi-Tasking. Auch für Spiele sollte die gebotene Leistung in den meisten Fällen problemlos reichen. Jagt man das LG Velvet durch den Benchmark-Belastungstest AnTuTu, erzielt es mit rund 330.000 Punkten ein Rating, das jenem von High-End-Prozessoren vor zwei Jahren entspricht.

Exzellentes Display mit viel Bildfläche
Das Display ist ausgezeichnet und durch seine Größe interessant für Viel-Leser und Video-Fans: Dank OLED-Technik gibt’s tolle Schwarzdarstellung und viel Kontrast, die hohe Auflösung lässt keine Einzelpixel erkennen, eine kräftige Farbdarstellung, hohe Helligkeit und gute seitliche Ablesbarkeit komplettieren das gute Gesamtbild. Das Display könnte in dieser Form auch in einem mehrere Hundert Euro teureren Smartphone verbaut werden.

Einziger Schönheitsfehler: Das Display wird links und rechts leicht über die Gehäusekante gezogen, was in Kombination mit der ebenfalls abgerundeten Rückseite für weniger Grip und schlechteres Handling als bei planen Bildschirmen sorgt, ohne nennenswerte Vorteile zu bringen. Überhaupt ist das Velvet nicht unbedingt etwas für kleine Hände: Mit 6,8 Zoll Diagonale könnte manch einer Probleme bekommen.

Grundsolide Alltags-Kamera mit 48 Megapixeln
Bei der Kamera muss sich das LG Velvet der teureren Konkurrenz geschlagen geben, für den schnellen Schnappschuss aus der Hüfte ist die 48-Megapixel-Hauptkamera mit F/1.8-Blende aber dennoch gut geeignet. Mit der Hauptkamera geknipste Fotos werden auch bei weniger Licht detailreich und scharf, das Auslösetempo überzeugt ebenfalls.

Mit optischer Bildstabilisierung hätte man hier vielleicht noch etwas mehr herausholen können, grundsätzlich sind die Bilder, bei denen je vier Pixel zusammengefasst werden und ein optimiertes 12-Megapixel-Bild erstellt wird, aber sehr gefällig. Einen Modus, der die volle 48-Megapixel-Auflösung ausnutzt, sowie eine Motiverkennung gibt es auch.

Schwächen bei Zoom und Weitwinkel
Schwächen leistet sich das Velvet vor allem in der Zoomdisziplin - schlicht, weil LG keine Linse mit optischer Vergrößerung verbaut hat, es also nur Digitalzoom gibt. Die Tiefenschärfe-Kamera gleicht das Fehlen eines Zooms nicht aus. Die Weitwinkel-Linse ist sauber implementiert, liefert bei gutem Licht scharfe, im Randbereich aber leicht verzerrte Fotos. Im Zwielicht merkt man hier allerdings das Fehlen von OIS und die im Vergleich zur Hauptkamera geringere Lichtstärke. In Summe sollte die Hauptkamera des Velvet alltägliche Schnappschussbedürfnisse gut erfüllen, die Flexibilität der teuren Oberklasse bietet das hier verbaute System aber nicht.

Gute Ausstattung, hochwertige Verarbeitung
Sehr gut gefallen hat uns die Ausstattung und Verarbeitung des LG Velvet: Das Chassis ist sauber zusammengebaut, Verarbeitungsmängel sind uns keine aufgefallen. Dass die Kamera nicht allzu weit aus dem Gehäuse hervorsteht, beugt Kratzern vor, eine Hülle wird durch die rutschige Glasrückseite aber wohl trotzdem Pflicht. Der 4300-mAh-Akku brachte das Velvet im Test locker durch den Tag: Sparsame Naturen holen auch einen zweiten heraus, Gamer müssen mitunter früher zwischenladen.

Alte Tugenden: microSD-Slot, Audioklinke
Dass LG als einer von wenigen Herstellern an alten Tugenden wie der Audioklinke festhält und die Möglichkeit einräumt, den Speicher mit microSD-Karten zu erweitern, sei lobend hervorgehoben. Ebenso der Schutz vor Staub und zeitweiligem Untertauchen im Wasser, die Stereo-Speaker, der gut gegen versehentliches Auslösen geschützte Sprachassistenz-Knopf unter der Lautstärkewippe und der zuverlässig arbeitende Fingerscanner im Display.

Von 5G-Funk hat man noch nichts
Die Funkausstattung ist auf der Höhe der Zeit, man könnte glatt sagen: ihrer Zeit voraus. Denn bis die breite Masse in den Genuss erschwinglicher 5G-Tarife und landesweiter Netzabdeckung kommt, wird es wohl Ende 2021 werden. Die meisten LG-Velvet-Nutzer werden vorerst über LTE surfen - oder im Gigabit-WLAN daheim, das ebenfalls unterstützt wird.

Softwaretechnisch wird Android 10 geboten - ab Werk ohne App-Startmenü, das sich aber zwecks mehr Ordnung in den Einstellungen nachträglich aktivieren lässt. Eine Handvoll Spiele und ein Hotelbuchungsportal sind als Bloatware vorinstalliert, vereinzelt findet man auch App-Doubletten - etwa, weil Anwendungen einmal in der Version von LG und einmal in der Google-Variante an Bord sind. Die Bloatware lässt sich deinstallieren, die doppelten Apps kann man im App-Startmenü verstecken.

Fazit: Man sieht dem LG Velvet auf den ersten Blick nicht an, dass es sich nicht um ein teures High-End-Gerät handelt - und spürt es in der Praxis auch kaum, immerhin ist der Prozessor schnell genug für den Alltag, die Kamera absolut schnappschusstauglich, die Verarbeitung sauber und die übrige Ausstattung auf der Höhe der Zeit. Der Preis könnte allerdings zum Problem werden: 600 Euro sind gewagt für ein Gerät der gehobenen Mittelklasse. Manch einer wird den Aufpreis durch das wasserdichte Gehäuse oder die Stereo-Speaker als gerechtfertigt sehen, viele werden ihn angesichts dessen, dass sie vom 5G-Funk noch nichts haben, aber wohl auch hinterfragen.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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