Falsch verstanden

Kritik an Kubas Modell war laut Castro bloß Scherz

Ausland
11.09.2010 11:12
Kubas Revolutionsführer Fidel Castro hat seine eigene Kritik am kommunistischen System in seinem Land als falsch verstandene Ironie bezeichnet. Seine Äußerung, das kubanische Modell funktioniere "nicht einmal mehr für uns", sei falsch interpretiert worden, sagte der 84-Jährige am Freitag in Havanna. Er habe "genau das Gegenteil" gemeint, sein US-Interviewpartner aber habe seine Aussage "wörtlich" genommen.

"Wie die ganze Welt weiß, ist meine Idee, dass das kapitalistische System nicht mehr funktioniert, weder für die USA noch den Rest der Welt", führte Castro bei der Vorstellung des zweiten Bands seiner Autobiographie weiter aus. "Wie soll ein solches System dann für ein sozialistisches Land wie Kuba funktionieren?"

Castro hatte in einem dreitägigen Interview mit dem US-Magazin "The Atlantic" auf die Frage, ob das kubanische System immer noch exportwürdig sei, geantwortet, das "Modell funktioniert nicht einmal mehr für uns". Es amüsiere ihn nun zu sehen, dass die Ironie offensichtlich nicht verstanden worden sei, sagte er am Freitag.

"Castro hat nicht gescherzt"
Julia Sweig, Kuba-Expertin des US-Außenamts, die dem Interview zur Sicherheit beigewohnt hatte, beharrte am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP auf der Interpretation der Zeitschrift: Castro habe "nicht gescherzt, und als ich ihn das sagen hörte, dachte ich, er meint, dass das Wirtschaftsmodell nicht mehr funktioniert - nicht die Revolution, die sozialistische Gesinnung, der Unabhängigkeitswillen - nur das Modell", sagte sie. "Als er sagte, 'Oh, das Modell funktioniert nicht einmal mehr für uns', bezog er sich geradezu auf dieses fast schon zum Fetisch erhobene Modell", sagte sie weiter.

Spekulationen über Wirtschaftsliberalisierung
Castros Äußerungen hatten weltweit Aufsehen erregt. In Kommentaren wurde darüber spekuliert, er wolle möglicherweise den Kurs seines Bruders Raúl in Richtung einer vorsichtigen Liberalisierung der Wirtschaft unterstützen. Seit seinem Rückzug von der Staatsführung wegen einer Darmoperation vor vier Jahren hatte sich Castro lange Zeit nicht in der Öffentlichkeit gezeigt, in den vergangenen Wochen mehrten sich jedoch seine Auftritte. Sweig bekräftigte, bei den Gesprächen habe er sich "in guter Form und witzig" gezeigt.

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