Vor Richter Christian Liebhauser sitzt jemand, den man in kleinen Landgemeinden eine Stütze des öffentlichen Lebens nennt: Bankchef, Obmann des örtlichen Sportvereins, Fußballsponsor, beliebt, bekannt, vertrauenswürdig.
"Ich wollte das nicht zugeben"
So über jeden Zweifel erhaben, dass ihm die Kunden bedenkenlos Riesensummen zur Veranlagung übergaben. "Am Anfang lief es bei Risikogeschäften in Deutschland gut, dann kam ein Totalausfall", erzählt Johann T. "Ich wollte das nicht zugeben und habe Geld von weiteren Anlegern genommen, um die Verluste auszugleichen." Das war 1992 – und bis ins heurige Frühjahr machte der 56-Jährige munter so weiter.
Loch auf, Loch zu, daneben noch Hunderttausende Euro für den Kickerklub, natürlich ein schönes Haus und großzügige Unterstützung seiner vielköpfigen Familie. "Aber wie kommt es zu fast sechs Millionen Euro?", kann es der Richter nicht recht fassen. "Im Laufe der Zeit", sinniert der Angeklagte. Nun sei er "froh, dass es vorbei ist."
"Da habe ich ausgepackt"
Die Affäre flog auf, als ein Kunde im falschen Moment Geld fürs Enkerl abheben wollte. "Da habe ich ausgepackt und Selbstanzeige erstattet." Jetzt hofft der 56-Jährige, seine Schulden – die Raiffeisenbank deckt den Schaden der Kunden über einen Solidaritätsfonds – abstottern und neu anfangen zu können. So schnell wird daraus aber nichts: viereinhalb Jahre Haft (nicht rechtskräftig).
von Kerstin Wassermann, "Kärntner Krone"
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