Auftritt im Bierzelt

FDP-Minister redet eigene Regierung und Merkel madig

Ausland
06.09.2010 12:37
Für einen amtierenden Gesundheitsminister vielleicht ein wenig zu "frank und frei" hat der deutsche FDP-Politiker Philipp Rösler seinen ersten bayrischen Bierzeltauftritt am Montag gestaltet. In einer kabarettreifen Rede verspottete er die schwarz-gelbe Koalition und im Besonderen seine Regierungschefin Angela Merkel. "Ich habe schon immer Witze über meine Chefs gemacht", erklärte der 37-Jährige nach dem Auftritt.

"Angela Merkel gibt es jetzt auch als Barbiepuppe", begann Rösler, der als vietnamesischer Kriegsflüchtling im Babyalter von einer deutschen Familie adoptiert wurde, bei seiner Ansprache auf dem Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg. "Die Barbie kostet 300 Euro. Das heißt, die Puppe kostet nur 20 Euro, aber richtig teuer werden die 40 Hosenanzüge." 

Zur Gesundheitspolitik nahm Rösler, der im Zivilberuf Arzt war, nicht Stellung, lästerte aber dafür ausführlich über Freund und Feind: "Ich will Ihnen heute berichten von meinem Leben in Berlin, von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen." Rösler lästerte vor allem über die eigene schwarz-gelbe Regierung: "Das ist keine Koalition, sondern manchmal eine schlagende Verbindung." 

Rösler bescheinigte der Bundesregierung, in den ersten zehn Monaten nichts getan zu haben: "Das waren genau die zehn Monate, die die Wirtschaft gebraucht hat, um sich zu erholen."

"Google Kabinett View" mit "Zickenterror"
Inzwischen habe sich Merkel aber entschieden, "mit dem Regieren anzufangen". Erste Maßnahme: Live-Übertragungen der Kabinettssitzungen im Internet: "Google Kabinett View", sagte Rösler dazu, "Untertitel Big Sister". 

Die Übertragungen der wöchentlichen Berliner Ministerrunde habe dann aber Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) verhindert. Ihre Begründung laut Rösler: "Wir wollen keine Gewalt im Internet." Im Kabinett gebe es "gelegentlich Zickenterror".

Zuhörer reagierten amüsiert bis verstört
Über den bayrischen CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer verlor Rösler kein Wort und erwähnte lediglich den bayrischen Innenminister Joachhim Herrmann. Der habe kürzlich niedersächsische Pferdeställe kontrolliert. "Der ist ein richtiger Konservativer. Danach musste die Hälfte der Pferde sofort raus. Das waren alles Araber." Wie in Deutschland üblich, hätten die ausgewiesenen Pferde sofort eine Gewerkschaft gegründet: "Und die heißt Pferdi (in Anlehnung auf die sozialistische Gewerkschaft ver.di, Anm.)." Die gut 250 Zuhörer im Bierzelt reagierten teils amüsiert, teils verstört auf Röslers Auftritt.

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