"Wirkungsstark"

Sidney Symphony Orchestra liefert perfektes Gastspiel

Niederösterreich
05.09.2010 11:49
Die kühle Witterung hat am Samstagabend beim Musikfestival Grafenegg die Verlegung des letzten Wolkenturm-Konzerts ins Auditorium bewirkt. Dem eindeutigen Erfolg des Sidney Symphony Orchestra unter der Leitung von Vladimir Ashkenazy sowie der Pianistin Helene Grimaud konnte dies jedoch keinen Abbruch tun.

Zwar kein ausgesprochen populäres, aber ein nicht minder wirkungsvolles Programm präsentierten die Australier. Dvoraks "Karneval"-Ouvertüre zu Beginn erklang kraftvoll, vital und mit sattem Klang. Bei Ravels G-Dur-Klavierkonzert glückte Grimaud eine eindrucksvolle und überzeugende Interpretation. Gleichsam mit leichter Hand, aber stets präsent und präzise, perlten die virtuosen Passagen, die langen melodischen Linien spannten sich an glitzernden und leuchtenden Punkten entlang. Der zweite Satz (Ravel vermerkte: "Fast hätte es mich umgebracht") - ohne falsche Romantizismen - geriet neutral wie Satie und umso wirkungsstärker.

Tschaikowskys Manfred-Symphonie als dramatischer Schlusspunkt bestätigte den erstklassigen Eindruck: In dieser Spitzenform muss das Orchester keinen internationalen Vergleich scheuen. Chefdirigent Ashkenazy, wiewohl offenbar nicht ganz fit und von Husten geplagt, behielt mit freundlicher Bestimmtheit die Oberhand und erwies sich als souveräner Meister der Gestaltung zwischen Spannungsaufbau und Eruption. Als Zugabe ließen die Gäste noch den Rosenkavalier-Walzer so richtig knallen: ein effektvolles Adieu.

Bereits am Nachmittag hatte sich bei einem Round Table der 80-jährige spanische Komponist Cristobal Halffter, diesjähriger Composer in Residence in Grafenegg, vorgestellt. Halffter auf die Frage, welche Musik er am liebsten schreibe: "Musik, die einen spirituellen Inhalt hat". Das ist durchaus im Sinne praktizierter Humanität zu verstehen. "Heute verlieren die Menschen oft ihre Würde", konstatierte der Spanier mit ostpreußischen Wurzeln. Es sei Aufgabe von Erziehung und Kunst, diesen Missstand zu ändern: "Ohne Friede, Gerechtigkeit, Freiheit keine Kultur."

von Ewald Baringer/APA

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