08.07.2020 06:54 |

„Momentaufnahme“

Salzburgs Klinik-Chef lässt Ärzte nicht testen

Paul Sungler, Geschäftsführer der Salzburger Landeskliniken (SALK), hält von Covid-Screenings wenig. „Es ist eine Momentaufnahme “, so Sungler. In den Spitälern sind daher keine solchen Tests geplant.

Die neue Teststrategie des Landes Salzburg – in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium – steht. Bereits diese Woche werden, wie berichtet, etwa 300 Mitarbeiter im Salzburger Schlachthof getestet. Heute wird die dritte Runde der Tourismus-Testungen in der Ferienregion Wagrain-Kleinarl abgeschlossen: gut 430 Personen lassen sich dort testen.

Am Plan für weitere Screenings – also systematische Testreihen – steht auch der Gesundheitsbereich. Doch SALK-Geschäftsführer Paul Sungler hält davon recht wenig. „Ich halte nicht viel davon. Medizinisch gesehen ist die Inkubationszeit recht unterschiedlich. So ein Screening ist immer nur eine Momentaufnahme“, erklärt Sungler im Gespräch mit der „Krone“. Eine negativ getestete Person könne sich noch am selben Tag neu anstecken. „Das vermittelt eine falsche Sicherheit“, befürchtet Sungler.

Interne Uneinigkeit bei den Landeskliniken
In den Landeskliniken werden derzeit Risikopatienten vor einem operativen Eingriff auf das Coronavirus getestet und auch jene, die Symptome aufweisen. Künftig sollen laut Teststrategie des Landes auch Patienten getestet werden, die nach dem Spitalsaufenthalt in eine Betreuungseinrichtung kommen. Beim Personal sind keine Screenings geplant, betont Sungler. Der der leitende Infektiologe des Uniklinikums, Richard Greil, erarbeitet aber derzeit eine Testreihe für Hochrisikopatienten und auch für Klinik-Mitarbeiter an - auf freiwilliger Basis.

Tourismus-Screening bezahlt das Ministerium
„Generell alle zu testen ist nicht möglich und auch nicht sinnvoll. Warum die Bundesregierung das propagiert, kann ich nicht sagen“, so Sungler. Auch wöchentlichen Testungen, wie sie derzeit im Tourismusbereich stattfinden, kann der Klinikchef nichts abgewinnen. „Wahrscheinlich steht das Ergebnis wirtschaftlich nicht im Einklang“, sagt Sungler. Um Österreich als sicheres Reiseland zu präsentieren, werden derzeit bundesweit Mitarbeiter aus gewerblichen Beherbergungsbetrieben freiwillig auf Corona getestet. Die Testreihe geht wöchentlich bis Saisonende, bis zu 150 Millionen Euro nimmt der Bund dafür in die Hand.

Bei den Landeskliniken rüstet man sich dennoch für höhere Testkapazitäten: Mit einem neuen Hochdurchsatzgerät sollen bis zu 1500 Tests pro Tag möglich sein.

Magdalena Mistlberger
Magdalena Mistlberger
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