08.06.2020 09:04 |

Ausschreibung im Juni

Frauenhäuser stehen unter neuer Leitung vor Aus

Landesrätin Andrea Klambauer (Neos) will von ihrem Plan, die Leitung der Salzburger Frauenhäuser neu auszuschreiben, nicht abrücken. Trotz bundesweiter Intervention soll noch im Juni die EU-weite Ausschreibung erfolgen. Die derzeitigen Leiterinnen rechnen sich keine Chancen aus und wollen sich daher nicht bewerben.

Laut war der Aufschrei, als Landesrätin Andrea Klambauer im Februar 2020 die internationale Ausschreibung der Frauenhäuser ankündigte. Nach heftiger Kritik beschlossen die Regierungsparteien im Landtag eine Expertinnenkommission einzubeziehen. Die tagte bereits zweimal, an der EU-weiten Ausschreibung hat das alles aber nichts geändert. „Gemäß Bundesvergabegesetz hat die Ausschreibung EU-weit zu erfolgen, weil der geschätzte Auftragswert über 750.000 Euro liegt“, erklärt Klambauer. Derzeit bekommen die Häuser 1,2 Millionen Euro jährlich. Noch im Juni wird ausgeschrieben. In einem zweistufigen Vergabesystem soll zu 40 Prozent der Preis, zu 60 Prozent die Qualität entscheiden. „Ich plane keine Kürzungen, sondern investiere in Verbesserungen“, sagt Klambauer.

Warum gerade jetzt ausgeschrieben wird, versteht Birgit Thaler-Haag, Leiterin des Frauenhauses Salzburg, nicht. Sie und ihre Halleiner Kollegin werden sich nicht bewerben. „Wir können im internationalen Wettbewerb nicht mithalten.“

Doris Weißenberger vom Frauenhaus Hallein fürchtet eine Verschlechterung: „Mit dem Geld der Frauenhäuser soll künftig ein Konzept für das ganze Bundesland finanziert werden. Ich finde das fahrlässig gegenüber den Gewaltopfern.“

Wie es mit den Häusern weitergeht, wissen die Trägerinnen nicht. „Unser Vertrag läuft mit Jahresende aus. Wir hängen total in der Luft“, sagt Thaler-Haag.

Magdalena Mistlberger
Magdalena Mistlberger
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