29.04.2020 12:09 |

Rundentaktik-Neuheit

„Gears Tactics“: Blutiger „XCOM“-Rivale im Test

Microsofts Shooter-Reihe „Gears of War“ ist als flottes Action-Feuerwerk bekannt und richtet sich nicht unbedingt an Strategen. Mit dem neuen Serienableger „Gears Tactics“ wird die Reihe nun aber auch für Taktik-Fans mit einem Faible für Games wie „XCOM“ interessant. Runde um Runde taktiert man sich darin durch eine fiese Alien-Invasion und dezimiert mit sich laufend weiter entwickelnden Soldaten die außerirdische Bedrohung. Im Test gestaltete sich die Alien-Hatz ausgesprochen spaßig.

Spielerisch fühlen sich „XCOM“-Veteranen in „Gears Tactics“ sofort zu Hause. Das rundenbasierte Taktikspiel nimmt in vielerlei Hinsicht Anleihen beim Genreprimus, lockert das Spielprinzip aber auch mit frischen Ideen auf. So darf man in „Gears Tactics“ beispielsweise pro Runde und Figur nicht wie in „XCOM“ zwei Aktionen ausführen, sondern drei. Obendrein endet die Runde nicht automatisch mit dem Angriff, sondern erlaubt - wenn noch Aktionspunkte übrig sind - auch nach dem Angriff noch Aktionen. Das macht das Gameplay von „Gears Tactics“ etwas flotter als das des Rivalen.

Auch für „Gears“-Einsteiger gut verdauliche Story
„Gears Tactics“ erzählt dabei eine durchaus packende Story, für die man die Shooter-Vorlage nicht unbedingt kennen muss. „Gears Tactics“ ist nämlich ein Sequel, erzählt also die Vorgeschichte der Shooter und eignet sich damit auch für Serieneinsteiger. „Gears“-Kenner freuen sich trotzdem über den einen oder anderen bekannten Charakter oder Familiennamen, wenn sie Mechaniker Gabriel Diaz auf seinen Feldzug gegen die Locust-Aliens begleiten.

Hollywoodreife Inszenierung, tolle Zwischensequenzen
In puncto Inszenierung übertrumpft „Gears Tactics“ viele Konkurrenten. Die Story wird mit zahlreichen gut gemachten Zwischensequenzen erzählt, die nur so vor Action strotzen und sich nicht vor denen der Shooter-Reihe verstecken brauchen. Dabei setzt man auf einen martialischen Look, der sich auch in der Tonalität der Dialoge niederschlägt: „Gears Tactics“ erzählt seine Story nicht durch die Blume, sondern transportiert sie derb und unverblümt.

Blut und Beuschel: „Gears Tactics“ ist nichts für Kinder
Unverblümt ist auch die Gewaltdarstellung. Wie in den „Gears“-Shootern spritzt reichlich Alien-Blut, wenn man sich durch seine Gegner arbeitet - besonders, wenn das Spiel wieder einmal eine größere Gegnergruppe auf den Spieler hetzt und nur mehr eine Granate hilft. Kommt es zum Nahkampf - bei „Gears Tactics“ nimmt er eine prominentere Rolle als in anderen Taktikspielen ein - kann es Splatter- und Alien-Hinrichtungsszenen geben. Für jüngere Spieler ist das Taktikspiel damit eher nicht geeignet, „Gears“-Fans werden sich daran aber nicht stören.

Viel taktische Tiefe, packendes Gameplay
Für taktische Tiefe in der rund 30 Missionen langen Kampagne sorgen in der Spielwelt verteilte Truhen mit neuer Ausrüstung, die Rekrutierung neuer Kämpfer - Sniper, Kämpfer, Sanitäter oder Späher - und ein Talent-System, mit dem sich selbige an ihre Rolle im Team anpassen lassen. Ans Herz wachsen einem dabei nur die Hauptcharaktere, der Rest ist zufallsgeneriert und austauschbar. Die Auswahl an Items und Waffen-Upgrades ist ordentlich, die Talentbäume erlauben bei jedem Charakter verschiedene Spezialisierungen. Auch die vielen verschiedenen Gegnertypen und die fordernde KI verlangen taktisches Geschick.

Weniger Makromanagement als in „XCOM 2“
Was es im Gegensatz zur „XCOM“-Reihe nicht gibt, ist eine übergeordnete Aufbaukomponente. Beschäftigt man sich in „XCOM 2“ nebst den Kämpfen und der Verbesserung der eigenen Helden mit dem Aufbau einer Basis sowie Forschung und Entwicklung, fehlt diese Komponente „Gears Tactics“ weitgehend. Eine mobile Basis, von der aus man seine Aufträge startet, gibt es zwar auch hier. Abseits der Charakteranpassung und Rekrutierung neuer Mannen hat die aber wenig Funktion.

Heftige Bosskämpfe, trotzdem gut zugänglich
Bei den Missionen hätten wir uns etwas mehr Abwechslung gewünscht, vor allem die Nebenaufträge setzen oft auf sehr ähnliche Konzepte. Dafür sind die Bosskämpfe ein ziemliches Feuerwerk, das in höheren Schwierigkeitsgraden auch erfahrene Taktik-Füchse an die Grenzen bringen könnte. Dank vier Schwierigkeitsstufen sollten aber auch Einsteiger mit „Gears Tactics“ zurechtkommen, zumal die Entwickler Checkpoints in den Missionen verteilt haben, man also bei einem Fehlschlag nicht per se von vorn beginnen muss. Ebenfalls hilfreich: Es gibt keinen Permadeath - zumindest nicht für die für die Story wichtigen Hauptcharaktere. Stirbt einer von ihnen in einer Mission, muss man diese lediglich neu starten.

Augenweide und Ohrenschmeichler
Die Maps sind weitläufig und optisch ansprechend inszeniert, hübsche Partikel- und Lichteffekte tragen ihr Übriges zur stimmigen Optik bei. Zoomt man ans Geschehen heran - bei Angriffen geschieht das wie bei „XCOM“ automatisch - bemerkt man darüber hinaus den hohen Detailgrad der Charaktere und Ausrüstung, den „Gears Tactics“ mitbringt. Die Soundeffekte der Gegner, Waffen und Fähigkeiten sind gut getroffen, die deutsche Sprachausgabe erfreut mit gut gewählten Sprechern.

Fazit: „Gears Tactics“ ist ein rundes Taktikspiel geworden, das sich vor dem großen Rivalen nicht zu verstecken braucht. Strategisch eine Spur seichter als „XCOM 2“, erfreut „Gears“ mit den flotteren Kämpfen, einer hollywoodreifen Inszenierung und einer nicht nur für Serienveteranen packenden Handlung. Wer Freude an Taktikspielen hat, macht mit „Gears Tactics“ garantiert nichts falsch - und wird an dem dicken Vollpreispaket vermutlich sogar mehr Freude haben als am kurz zuvor erschienenen Budget-„XCOM: Chimera Squad“.

Plattform: PC
Publisher: Microsoft

krone.at-Wertung: 8/10

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