11.02.2016 10:38 |

Achtung Suchtgefahr!

Außerirdisch gute Taktik-Kost: "XCOM 2" im Test

Taktische Rundenstrategie ist nicht jedermanns Sache. Wenn sie so spannend erzählt wird wie im 2012 erschienenen "XCOM: Enemy Unknown" werden aber nicht nur Genre-Fans schwach. Die Gefechte gegen fiese Aliens fesselten Millionen Spieler vor ihre Bildschirme. Kein Wunder, dass der soeben erschienene Nachfolger "XCOM 2" mit Spannung erwartet wurde. Aber kann er an den großartigen Vorgänger anknüpfen? Nach unserem Test können wir bestätigen: Ja, er kann.

Die Ereignisse von "XCOM 2" spielen 20 Jahre nach dem Ende des Vorgängers. Die XCOM-Truppe, die einst das Bollwerk der Menschheit gegen außerirdische Invasoren war, ist ein Schatten ihrer selbst und die Welt wird von einem Marionettenregime der bösen Aliens regiert. Im Untergrund kämpft XCOM mit Guerillataktiken nach wie vor gegen die Extraterrestrischen, zu Spielbeginn ist die Organisation aber angeschlagen.

Zum Glück - welch Zufall - schafft es XCOM allen Widrigkeiten zum Trotz, seinen seit 20 Jahren verschollenen Kommandeur aus den Klauen der Aliens zu befreien - also den Spieler. Fortan gilt es, mit der neuen fliegenden XCOM-Zentrale - einem erbeuteten Alien-Schiff - den Widerstand zu koordinieren, den Aliens mit XCOM-Elitekämpfern in spannenden Einsätzen Niederlagen zuzufügen und die Fieslinge endlich wieder in ihre Schranken zu verweisen.

Viel zu tun - nicht nur während der Kämpfe
Dabei gibt es für den Spieler reichlich zu tun. Während der Einsätze erbeutete Alien-Technologien und -Kadaver analysieren und erforschen, neue XCOM-Kämpfer anheuern und ihre Waffen, Ausrüstungen und Skills anpassen, die XCOM-Zentrale ausbauen und mit passendem Personal ausstatten, Widerstandszellen vernetzen, Vorräte sammeln: Schon die Übersichtskarte und die fliegende XCOM-Zentrale mit ihren Laboratorien, Waffenkammern und Quartieren bieten dem Spieler ständig neue Herausforderungen.

Richtig spannend wird "XCOM 2" aber erst in den Einsätzen. Unzählige von ihnen warten in der Dutzende Stunden langen Kampagne, als Einführung gibt's sehenswerte Filmsequenzen voller Action und einer Vielzahl grausiger Glibber-Aliens. Cooles Detail: Viele Details der Kampagne sind zufallsgeneriert. Das sorgt neben der schieren Masse unterschiedlicher Aliens für viel Langzeitmotivation und Abwechslung.

Jeder getötete Soldat tut weh
In den - vor allem auf den höheren Schwierigkeitsstufen - stellenweise sehr fordernden Rundengefechten gilt es, mit einer kleinen XCOM-Truppe - Soldaten aus den Klassen Sniper, Nahkämpfer, Techniker, Grenadier und Psi-Spezialisten - Runde um Runde Aufgaben zu erfüllen. Teils unter Zeitdruck - also in einer bestimmten Zahl von Runden - müssen Alien-Trupps vernichtet, Items geborgen, Personen extrahiert und fiese Boss-Monster besiegt werden, idealerweise bei möglichst geringen Verlusten.

Denn die bis ins kleinste Detail konfigurierbaren Soldaten, die man in "XCOM 2" in die Schlacht schickt, wachsen dem Spieler nicht nur mit der Zeit ans Herz, sondern werden mit steigender Stufe auch immer stärker und zeigen sogar Gefühle - etwa ein Trauma nach einer schweren Verletzung. Entsprechend schade ist es, wenn ein hochrangiger Kämpfer durch einen dummen Fehler in die ewigen Jagdgründe eingeht.

"XCOM 2" erzeugt eine Suchtspirale
Und das passiert in "XCOM 2" immer wieder. Abwechselnd dürfen Spieler und Aliens ihre Züge planen und umsetzen, Einheiten in Position schicken, Aktionen - Angriffe, Sabotageaktionen gegen Alien-Technologie oder die Gegner selbst - setzen, für Feuerschutz sorgen.

Ist der Gegner am Zug, harrt man der Dinge, die da kommen, freut sich über Aliens, die in Fallen tappen - und ärgert sich über eigene Soldaten, die ins Alien-Feuer geraten. Es entsteht eine Suchtspirale, man strebt die perfekte Partie an - und lädt immer wieder das letzte Savegame, wenn etwas nicht geklappt hat. Das gelingt nicht jedem Rundenstrategiespiel.

Tolle Inszenierung, hohe PC-Anforderungen
Für lang anhaltende Motivation sorgt bei "XCOM 2" neben dem Gameplay auch die coole Inszenierung. Dank Unreal-Engine, Nahaufnahmen, actionreichen Kamera-Fahrten und hohem Detailreichtum gibt es auf den abwechslungsreichen Karten, auf denen sich Spieler in "XCOM 2" austoben, jede Menge zu entdecken. Die gelungene Vertonung - sowohl bei der Sprachausgabe, als auch bei den Soundeffekten - weiß ebenfalls zu gefallen, besonderes Lob verdient der pathetische Soundtrack.

Kleiner Nachteil der tollen Optik: Für ein Rundentaktik-Game sind die Hardware-Anforderungen relativ hoch: Einen 2,6 Gigahertz schnellen Core-2-Duo-Chip, vier Gigabyte RAM und eine Grafikkarte vom Schlage einer Radeon HD 5770 oder Geforce GTX 460 (1 GB RAM) nennt Entwickler Firaxis als Mindestvoraussetzung. Für optimale Ergebnisse braucht es einen drei Gigahertz schnellen Vierkerner, acht Gigabyte RAM und eine Grafikkarte à la Geforce GTX 770 oder Radeon HD 7970 mit zwei Gigabyte RAM. Das Game gibt es für Windows, MacOS und Linux, so richtig rund läuft es bisher laut "Heise" aber nur auf Windows.

Eine weitere kleine Schwäche: Die Steuerung ist stellenweise ein klein wenig hakelig, vor allem, wenn man seine XCOM-Soldaten über mehrere Ebenen bewegt - etwa auf ein Hausdach oder eine andere erhöhte Position. Das ist allerdings Kritik auf extrem hohem Niveau und stört das Spielerlebnis kaum.

Fazit: "XCOM 2" ist eine Offenbarung für Taktiker und zieht selbst Spieler in seinen Bann, die wenig mit Rundenstrategie anfangen können. Die Handlung ist für "XCOM"-Veteranen anfangs vielleicht ungewohnt, aber spannend erzählt und insgesamt eine atmosphärisch gelungene Sache. Das Gameplay selbst erzeugt eine Suchtspirale, der man sich nur schwer entziehen kann. Da rütteln auch kleinere Problemchen wie die gelegentlich hakelige Steuerung und leichte Performance-Probleme auf Linux und MacOS nicht mehr an einer Top-Wertung.

Plattform: PC (Windows, MacOS X, Linux)
Publisher: 2K Games
krone.at-Wertung: 9/10

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