12.04.2020 06:01 |

Grausiger Fund im Wald

Das große Rätsel um den Tod von Gloria (26)

Am 5. März 2018 ging eine junge Vorarlbergerin einkaufen - und verschwand dabei spurlos. Ein halbes Jahr später wurde ihr Kopf auf einem Berg gefunden. Warum musste die 26-Jährige sterben?

Und nichts deutete auf eine bevorstehende Tragödie im Leben von Gloria Albrecht hin, am 5. März 2018. Die 26-jährige Vorarlbergerin war - nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Sozialpädagogin in Wien - gerade erst wieder in ihren Heimatort Lustenau zurückgezogen und hatte hier rasch eine Stelle bei einer Beratungseinrichtung gefunden. „Die Arbeit machte ihr großen Spaß“, erzählt ihre Mutter Christina (56).

„Meine Tochter hatte keine Probleme“
Überhaupt – bei ihrer „mittleren Tochter“ schien sich „alles gut zu entwickeln. Sie wohnte bei mir, in ihrem ehemaligen Kinderzimmer, aber sie hatte natürlich die Freiheiten einer Erwachsenen.“ Ging oft mit Freundinnen aus, machte Shopping-Touren. „Auch der Kontakt zu ihrem Vater“ – die Eltern sind geschieden – „und zu ihren beiden Schwestern war bestens.“

„Nein“, betont Christina Albrecht immer wieder, „Gloria hatte keine Probleme.“ Warum auch? Sie trauerte keiner Partnerschaft nach. Sie verdiente genug Geld, um sich hübsches Gewand, Konzertkarten und Lokalbesuche leisten zu können: „Sie führte ein unbeschwertes Dasein.“

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Sie verfolgen mich bis in meine Träume - die Gedanken daran, dass meine Tochter vielleicht in den letzten Stunden ihres Lebens fürchterliche Qualen erleiden musste.

Christina Albrecht

Und auch am Morgen des 5. März - „sie hatte damals, wie jeden Montag, frei“ - habe sie entspannt gewirkt. Obwohl ihr am Wochenende davor in einem Pub ihre Jacke abhandengekommen war. Ihr Mobiltelefon und ihre Bankomatkarte hatten sich darin befunden, „und jetzt wollte sie deshalb diverse Wege erledigen“. Bekleidet mit Pulli, Röhrenjeans, einem grünen Parka und grauen Sneakers; ihren geliebten roten Rucksack um die Schulter gehängt, verließ sie in den Vormittagsstunden ihr Zuhause.

Fest steht: Gegen 11.30 Uhr beschaffte sie sich in einem Drei-Shop in Dornbirn eine SIM-Karte - „ihr Papa hätte ihr danach eines seiner alten Handys gegeben“, kurz vor 12 Uhr war sie - wie Videos aus Überwachungskameras zeigen - in einer Volksbank-Filiale in Lustenau, hob von ihrem Konto 40 Euro ab, meldete den Verlust ihrer Karte, bestellte eine neue.

„Wurde meine Gloria ermordet?“
„Auffällig ist“, meint Christina Albrecht, „meine Tochter trug dabei ihren Rucksack nicht bei sich.“ Wo hatte sie ihn zurückgelassen? „Gloria besaß kein Auto ...“ Die Fragen, die sich die Mutter mittlerweile Tausende Male gestellt hat: „Hat sie während ihrer Tour zufällig irgendeinen Bekannten getroffen? Hat er ihr in der Folge angeboten, sie in seinem Wagen mitzunehmen? Hat sie sich damit in die Gewalt eines Mörders begeben?“ Mehrere Zeugen berichten, die junge Frau um die Mittagszeit noch in einem Supermarkt in Lustenau beim Einkaufen gesehen zu haben. Aber danach verliert sich ihre Spur.

Als Christina Albrecht – sie ist Verwaltungsbedienstete – am 5. März von der Arbeit heimkam, „fand ich es nicht seltsam, dass Gloria nicht da war“. Und selbst am nächsten Morgen – die 26-Jährige hatte die Nacht nicht in ihrem Bett verbracht – sei sie nicht beunruhigt gewesen: „Meine Tochter schlief ja manchmal auswärts.“ Aber dann, am Abend, von Gloria fehlte weiterhin jedes Lebenszeichen, wurde die Frau nervös: „Also rief ich ihre besten Freundinnen an – doch keine von ihnen wusste, wo sie sein könnte.“

„Wie kam mein Kind auf diesen Berg?“
Eine Vermisstenanzeige, Fahndungsaktionen. Die junge Vorarlbergerin blieb verschwunden. Am 2. September 2018 entdeckten Wanderer auf der Spätenbachalpe einen Schädel, bei der Durchforstung der Gegend wurden schließlich auch noch eine Rippe und ein Oberschenkelknochen gefunden. Die sterblichen Überreste stammten - wie DNA-Analysen letztlich belegten - von Gloria. „Todesursache ungeklärt, kein Gewaltdelikt nachweisbar“, so das Ergebnis gerichtsmedizinischer Untersuchungen.

„Ich verstehe nicht, wie meine Tochter auf den Berg gekommen sein soll“, sagt Christina Albrecht; bloß durch einen dreieinhalbstündigen Fußmarsch wäre der Auffindungsort erreichbar, „und meine Tochter hat doch nie Wanderungen unternommen.“

Ein „bislang ungeklärter Fall“
Der Verdacht, er bleibt in der 56-Jährigen, „dass mein Kind einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist“. Also sind sie immer in ihrem Kopf, die Gedanken daran, „welch fürchterliche Qualen Gloria vielleicht in den letzten Stunden ihres Lebens erleiden musste.“ Und die verzweifelte Mutter fragt: „Warum ermittelt die Polizei nicht?“ Der Fall sei nicht abgeschlossen, wird von Behördenseite betont – aber es würden eben Hinweise auf eine Mordtat fehlen.

Martina Prewein, Kronen Zeitung

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