08.04.2020 19:27 |

Weiter Beschränkungen

Europa hat Corona-Höhepunkt noch nicht erreicht

In Europa gibt es derzeit keine Anzeichen dafür, dass der Höhepunkt der Coronavirus-Pandemie bereits erreicht sein könnte, wie das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) am Mittwoch mitteilte. „Obwohl es aus Italien und Österreich frühe Hinweise darauf gibt, dass die Zahl der Infektionen und Todesfälle rückläufig ist“, heißt es also weiter durchhalten und an die Anti-Corona-Maßnahmen halten. Denn die Experten sind überzeugt, dass es noch zu früh ist, um abrupt alle Beschränkungen in Europa aufzuheben, auch wenn diese unangenehm für Gesellschaft und Wirtschaft sind. Auch aus Sicht der EU-Kommission sollten die Beschränkungen nur in kleinen, streng kontrollierten Schritten über einem Zeitraum von mehreren Monaten gelockert werden. 

In einigen Ländern der EU und des Europäischen Wirtschaftsraumes hätten sich die Neuinfektionen und neu hinzugekommenen Todesfälle laut ECDC-Mitteilung zuletzt leicht verringert - Italien etwa vermeldete am Mittwoch erneut eine sinkende Zahl bei den Corona-Todesopfern. Zahlreiche Staaten würden jedoch derzeit nur schwere oder hospitalisierte Fälle testen.

Auch in Österreich, wo es zuletzt Hinweise auf rückläufige Zahlen bei den Corona-Infizierten gab, ist bei der Zahl der Intensivpatienten nun wieder ein Anstieg um 9,9 Prozent verzeichnet worden. Und: So viele Covid-19-Erkrankte lagen noch nie zuvor auf der Intensivstation. Auch die Zahl der Todesopfer ist zuletzt wieder deutlich gestiegen.

„Starke Anstiege“ in Europa
Insgesamt gab es in Europa „starke Anstiege“ an Covid-19-Fällen und Todesopfern durch das Virus, betonte das ECDC. Das europäische Monitoringsystem zur Erfassung von Todesfällen verschiedenster Ursachen zeige in den vergangenen Wochen in Belgien, Frankreich, Italien, Malta, Spanien, der Schweiz und in Großbritannien eine Sterblichkeit über der zu erwartenden Rate - hauptsächlich in der Altersgruppe ab 65 Jahren.

„Zu früh, um abrupt alle Beschränkungen aufzuheben“
„In der jetzigen Situation ist von einer kontinuierlichen Weiterverbreitung des Virus auszugehen“, betonte ECDC-Direktor Andrea Ammon. Es sei noch zu früh, um abrupt alle Beschränkungen in Europa aufzuheben, auch wenn diese unangenehm für Gesellschaft und Wirtschaft seien. „Solidarität und Koordination zwischen den Mitgliedsstaaten bleibt essenziell, wenn über die Aufhebung von Maßnahmen nachgedacht wird. Das Risiko der Infektionsverbreitung von Land zu Land muss minimiert werden“, sagte Ammon.

Die Corona-Beschränkungen sollten auch aus Sicht der EU-Kommission nur in kleinen, streng kontrollierten Schritten über einem Zeitraum von mehreren Monaten gelockert werden. Dies geht aus dem Entwurf der sogenannten Exit-Strategie hervor, die die Kommission nächste Woche veröffentlichen will und die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

EU sieht zwei Voraussetzungen für Lockerung
„Jede schrittweise Lockerung der Ausgehbeschränkungen wird unausweichlich zu einer Steigerung neuer Fälle führen“, heißt es in dem Papier. Zwei Voraussetzungen sollten deshalb aus Sicht der Kommission erfüllt sein: eine spürbare Verlangsamung der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus und eine ausreichende Zahl von Krankenhaus- und Intensivbetten.

„Die Maßnahmen müssen in verschiedenen Schritten aufgehoben werden und dazwischen muss jeweils genügend Zeit bleiben, zum Beispiel ein Monat“, heißt es in dem Papier. Denn zunächst müsse die Wirkung beobachtet werden. Begonnen werden solle auf lokaler Ebene, heißt es weiter. Das erlaube es, Beschränkungen bei Bedarf wieder einzuführen.

Schrittweise sollten auch die innereuropäischen Grenzkontrollen aufgehoben werden, empfiehlt die Kommission. Sie rät dringend zu Absprachen der Nachbarstaaten und zur gegenseitigen Information bei der Aufhebung der Restriktionen.

Gleitender Übergang beim Hochfahren der Wirtschaft
Beim Hochfahren der Wirtschaft rät die Kommission zum gleitenden Übergang. Nicht alle Beschäftigten dürften gleichzeitig an den Arbeitsplatz zurückkehren. Zunächst sollten kleinere Menschenansammlungen erlaubt werden, solange Abstand gehalten wird, zuerst in Geschäften und Schulen, dann auch in Restaurants und Bars. Die Nutzung von Privatautos sollte so schnell wie möglich wieder erlaubt werden, öffentlicher Nahverkehr dagegen nur nach und nach wieder.

Der CSU-Europapolitiker Markus Ferber mahnte die EU-Staaten dringend, sich eng abzustimmen. „Bislang ist die Performance der Mitgliedstaaten in Sachen Koordinierung äußerst mager, um nicht zu sagen blamabel“, kritisierte er. „Die Arbeitsweise der nationalen Regierungen muss sich massiv verändern, wenn wir als Europäische Union heil aus dieser Krise herauskommen wollen.“

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