28.07.2010 11:34 |

Maler-Millionär

US-Amerikaner per Flohmarkt-Kauf um 200 Mio. $ reicher

Der amerikanische Traum ist um ein Kapitel reicher: Nicht vom Tellerwäscher, sondern vom Anstreicher zum Millionär ist Maler Rick Norsigian (im Bild) aus Kalifornien geworden. Der heute 64-Jährige erstand vor zehn Jahren um läppische 45 US-Dollar Foto-Negative auf einem Flohmarkt, weil sie ihm so gefielen. Nach jahrelanger Nachforschung steht jetzt offenbar fest: Es handelt sich um Werke des berühmten Landschaftsfotografen Ansel Adams. Ihr Wert: rund 200 Millionen Dollar!

Das Schnäppchen seines Lebens machte der damals für die Schulbehörde im kalifornischen Fresno arbeitende Anstreicher im Jahr 2000 auf einem Flohmarkt. Norsigian stachen zwei Schachteln mit Glasplatten und Negativen besonders ins Auge. Den Besitzer dieser Raritäten handelte er von 70 auf 45 US-Dollar herunter - allerdings nicht in dem Wissen, gerade einen Millionencoup gemacht zu haben.

Werke seit 1937 vermisst
Seinen Fund präsentierte er stolz Verwandten und Freunden, wobei einigen starke Ähnlichkeiten mit den Bildern des 1984 gestorbenen Ansel Adams auffielen. Rick Norsigian hatte bis dahin allerdings nur wenig von dem Künstler gehört und begann sich näher in die Materie einzuarbeiten. "Ich habe in vielen Büchereien gestöbert", sagte der Maler. Dabei erfuhr er auch, dass seit einem Brand im Jahr 1937 einige Adams-Werke vermisst wurden. Da ein paar der erstandenen Negative Brandspuren aufwiesen, wurde die Verbindung zum großen Künstler immer wahrscheinlicher.

Der Maler heuerte daraufhin einen Anwalt an, um der Sache professionell auf die Spur zu kommen. Ein zusammengestelltes Expertenteam, in dem sich auch ein ehemaliger FBI-Experte befand, kam dann zum Schluss: Bei den billig erstandenen Stücken handelt es sich tatsächlich um Werke des US-amerikanischen "Vaters der Fotografie" Ansel Adams. Die Mehrzahl der Aufnahmen des Künstlers entstand zwischen den späten 1920er- und frühen 1950er-Jahren in Adams' Heimat Kalifornien, ein Großteil davon im Yosemite-Tal und der angrenzenden Sierra Nevada. 

Erben zweifeln an Echtheit
Der Nachlassverwalter und die Erben des Fotografen melden allerdings Zweifel an. Er schenke den "sogenannten Experten" keinen Glauben, sagte William Turnage, Adams' früherer Geschäftsmanager und Nachlassverwalter, der "Los Angeles Times". Er schlage sich schon seit zehn Jahren mit Norsigian herum. Dieser habe ihn immer wieder angerufen, aber "nie Beweise vorgelegt". Auch Matthew Adams, Leiter der Ansel Adams Galerie im Yosemite-Park, hält es für fraglich, dass die Aufnahmen von seinem Großvater stammen. Es hätten viele andere Fotografen Motive wie Adams abgelichtet.

Einige Kunsthändler wenden ein, dass die Negative - sollten sie echt sein - keinen großen Wert haben. Sammler würden nur für Originalabzüge aus der Dunkelkammer des Künstlers hohe Summen zahlen, da Anselm dort aufwendige Techniken anwendete.

"Als ich 200 Millionen hörte, wurde ich doch etwas schwach"
Das Team um Norsigian ist unbeirrt. "Wir haben überwältigend viele Beweise", versicherte Norsigians Anwalt, Arnold Peter. Norsigian selbst zeigte sich in einer ersten Reaktion nach der langen Ungewissheit erleichtert, war jedoch über den Wert der Bilder etwas geschockt: "Als ich 200 Millionen US-Dollar hörte, wurde ich doch etwas schwach", gestand er.

Adams vermachte seine Sammlung von 44.000 Negativen dem "Center for Creative Photography" an der Universität in Tucson. Originalabzüge seiner berühmtesten Motive, darunter "Moonrise over Hernandez", zählen heute zu den teuersten Fotoabzügen der Welt. Ein Winterbild aus dem Yosemite-Park brachte im vorigen Monat bei einer Auktion mehr als 720.000 Dollar ein.

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