„Krone“: Seit gut einer Woche gelten die Ausgangsbeschränkungen. Die Leute „picken“ oft aufeinander. Gibt es bei Ihnen bereits vermehrt Anrufe?
Eva Schuh: Aktuell ist es noch ruhig. Das Phänomen kennen wir aber von Weihnachten. Auch da sind in den meisten Fällen alle zu Hause, die Konflikte entstehen dann aber erst nach Silvester. So wird es auch in dieser schwierigen Situation sein. Wir befürchten in den nächsten ein bis zwei Wochen eine massive Steigerung der häuslichen Gewalt.
„Krone“: Welche Einflussfaktoren spielen da zusammen?
Schuh: Jetzt ist es noch eine neue Situation für jeden, man ist mit sich selbst beschäftigt. Bei vielen spielen jetzt aber auch schon Existenzängste mit, keiner weiß so wirklich, wie es tatsächlich weitergehen wird. In Kombination mit Kindern, die nicht ausgelastet sind, weil ihnen der soziale Kontakt und die Bewegung fehlen, kann das eine explosive Mischung ergeben.
„Krone“: Oft sind Frauen von häuslicher Gewalt betroffen, wie kann man sie schützen?
Schuh: Das ist eine sehr schwierige Situation. Die meisten Opfer rufen nicht gleich die Polizei, sondern flüchten zu einer Nachbarin, einer Freundin oder einer Bekannten. Das fällt in der aktuellen Situation aber weg. Wird ihnen dann noch das Handy abgenommen, sind sie der Situation komplett ausgesetzt. Ich appelliere daher an die Zivilcourage: Wenn man etwas bei Nachbarn mitbekommt, sofort melden!
Philipp Zimmermann, Kronen Zeitung
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