03.03.2020 06:00 |

Mit EP im Wiener WUK

Kakkmaddafakka: Inszenierung ist einfach alles

Sie haben einen ungewöhnlichen Bandnamen und musizieren gemeinhin gegen alle Trends, doch die Norweger von Kakkmaddafakka haben sich über mehr als 15 Jahre ein treues Fanpublikum aufgebaut. Kurz vor Erscheinen der EP „Ontas?“ kommen sie nun ins Wiener WUK. Wir haben sie zum Interview getroffen.

Oftmals sind die offensichtlichsten Fragen nicht gleichzeitig die notwendigsten, doch hier liegen sie tatsächlich auf der Hand. Was zum Teufel ist Kakkmaddafakka? Warum tut man das und überlegt man sich nicht im Vorfeld, ob ein derartiger Bandname nicht schlecht mit dem Alter mitwächst? Im malerischen Bergen an der Westküste Norwegens war das zwei Brüdern und insgesamt vier Schulfreunden im Teenageralter ziemlich egal. Nach einem umjubelten Auftritt in einem Jugendzentrum beschlossen die Brüder Axel und Pål Vindenes, Jonas Nielsen und Stian Sævig, aus einem Experiment Beständigkeit zu schaffen und sind damit 2004 direkt in die einheimische Indie-Szene gekracht. Der Bandname ergibt sich aus einer Fantasiesprache und soll die Bezeichnung „Partylöwen“ widerspiegeln. Auch nicht unbedingt eine Wahl, hinter der man 20 oder 30 Jahre später zwingend stehen muss.

Gegen die Trends
„Naja, wir feiern schon noch ausufernde Partys, so ist es auch nicht“, erklärt Pål Vindenes im „Krone“-Interview. Bassist Sævig ergänzt: „Ich kann aber schon verstehen, dass du die Wahl des Bandnamens fragwürdig findest. Fast alle tun das und wir sind selbst mittlerweile fast alle in den 30ern und spüren, dass die Energie langsam nachlässt. Dass sich die Musik mit dem steigenden Alter mitentwickelt, das ist normal - aber du kannst trotzdem noch schreiben, dass wir absolute Partytiere sind.“ Mittlerweile sind Kakkmaddafakka mit leicht abgeänderter und erweiterter Bandbesetzung mehr als 15 Jahre und sechs Studioalben alt. Das hätten sich zu Beginn der Karriere nicht einmal die Bandmitglieder selbst gedacht, zumal man mit dem eigens aufgekochten Indie-Pop eigentlich schon vor mehr als zehn Jahren in keinen Trend gepasst hat. „Wir wollten anfangs beweisen, dass wir unseren dämlichen Bandnamen gut umsetzen können“, erinnerts sich Vindenes, „das Debütalbum ,Down To Earth‘ war einfach ein ,Fuck You‘ an alle Kritiker, die so uns sowieso immer hassten. Zwischendurch waren wir etwas reifer und ,Diplomacy‘ ging 2019 wieder zurück zu unseren Wurzeln.“

Was die kritischen Geister bei Kakkmaddafakka gerne vergessen ist die Tatsache, dass es der Band nie um großen Anspruch oder Weltverbesserung, sondern bloß um puren Spaß ging. „Diese Band bietet für jeden Platz, der eine gute Zeit haben will und einmal ein bisschen aus sich rausgehen möchte. Wir vermischen verschiedene Genres zu einem Song oder einem Album, haben Spaß auf der Bühne und wollen als coole Typen möglichst viel Spaß mit unseren Fans haben.“ Diese Ungezwungenheit führte das nordische Kollektiv schon auf unterschiedliche Festivals wie etwa das Iceland Airwaves, das Eurosonic oder gar das altehrwürdige Montreux Jazz Festival. Die Grenzenlosigkeit, die Kakkmaddafakka in ihrer Musik projizieren, schlägt sich auch im Livekorsett nieder. Prägend für die Burschen waren die weithin bekannten Kings Of Convenience, durch die sie 2009 sogar zu ihrer Plattenfirma gekommen sind. „Sie waren unsere wichtigsten Mentoren und haben uns alles gezeigt. Auch, wie wichtig der deutschsprachige Markt für nordische Bands ist.“

Disco-Tanzbarkeit
Nach sechs Alben haben sich die bierseligen Partylöwen längst in der Indie-Szene gefestigt. Ganz nach dem „Do It Yourself“-Prinzip haben sich Vindenes und Co. nie von außen in die Suppe spucken lassen. „Sein eigener Herr zu sein ist heute wichtiger denn je. Wenn du einen wirklich guten Song hast, dann geh nicht zu einem Majorlabel, denn es wird dich melken, bis nichts mehr rauskommt. Wir haben das selbst probiert und daraus gelernt. Sieh dir nur all die Rapper an, die alles selbst machen und Irrsinnserfolge haben. Sie sind zu einem gewissen Teil große Vorbilder, weil sie genau wissen, wie sie sich vermarkten müssen.“ Ohne Produkte geht freilich nichts, deshalb veröffentlicht man nach der anstehenden Tour mit „Ontas?“ auch schon knapp ein Jahr nach dem letzten Album eine neue EP. Der Fokus auf den fünf Tracks liegt auf discolastiger Tanzbarkeit. Nachdenkliche Momente sind nicht darauf zu finden.

Dabei mangelt es Kakkmaddafakka gar nicht einmal an Kreativität, um Aufmerksamkeit zu lukrieren. „Für unser letztes Album ,Diplomacy‘ wollten wir einen Autounfall inszenieren, haben das aber nicht durchgezogen. Das Kuriose daran ist aber, dass uns doch was passierte“, erinnert sich Vindenes zurück, „wir hatten einen Busunfall mit ca. 10 km/h. Das war wohl böses Karma für den dämlichen Gedankengang. Jedenfalls standen wir damit in der Bergener Lokalzeitung, obwohl der Schubser so leicht war, dass wir ihn nicht einmal bemerkten.“ Dass „Attention“ im Internetzeitalter die wichtigste Währung ist, ist den juvenilen Freunden klar. „Ich kenne Musiker, die sich als bisexuell bezeichnen, es aber gar nicht sind, damit aber auffallen. Wären wir zehn Jahre jünger, könnten wir auch die Könige von Instagram und Snapchat sein, aber das sind wir nicht. Stian hat mittlerweile zwei Kinder - was willst du denn da großartig Spannendes zeigen?“

Live im WUK
Dabei ist gerade die Promi-Dichte in der knapp 300.000-Metropole Bergen so groß wie kaum woanders. Nicht nur wichtige Teile der international populären Black-Metal-Szene nennt die Küstenstadt ihre Heimat, auch die weltweit erfolgreichen DJs Alan Walker und Kygo stammen von hier. Das führt Vindenes gleich zu interessantem Klatsch. „Was die wenigsten wissen: Stians Ehefrau war früher mit Kygo zusammen. Vielleicht kommen wir ja dadurch einmal in sein Haus, um bei einer gediegenen Afterparty feiern zu können? Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Abseits dessen, dass den Jungs stets der Schalk im Nacken sitzt, sollte man sich auch von den Livequalitäten überzeugen lassen. Am 10. März sind Kakkmaddafakka im Wiener WUK zu sehen - unter www.oeticket.com gibt es noch Karten für das Indie-Highlight. Und das nächste Studioalbum ist bestimmt auch schon in Arbeit.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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