14.07.2010 11:26 |

Viel, viel Funk

Prince machte die Wiener Stadthalle zum Tanztempel

Am Dienstagabend ist seine königliche Hoheit, Prince Rogers Nelson, im Rahmen seiner Europa-Tour nach 23 Jahren Pause erstmals wieder in der Wiener Stadthalle aufgetreten. Mit einer Melange aus Pop, Rock, Soul, Rhythm 'n' Blues und vor allem viel Funk verwandelten der 52-Jährige und seine achtköpfige Band die Stadthalle für zweieinhalb Stunden in einen riesigen, kochenden Tanztempel.

Kurz nach 20 Uhr erschienen die Mitstreiter des amerikanischen Ausnahmemusikers auf der Bühne und eröffneten den Wien-Auftritt von Prince mit dem Instrumental-Stück "Venus de Milo". Der Superstar selbst erschien erst sieben Minuten später auf der Bühne und ließ dem leicht kitschigen Bombast-Intro gleich seinen Welthit "Purple Rain" folgen.

In ziemlich knackigem Sound folgten "Let's Go Crazy", "Delirious" und "1999", wobei Prince mit stark von Jimi Hendrix inspirierten E-Gitarre-Soli brillierte. Beim überwiegenden Teil des Sets setzte Prince aber auf Funk, der nur einige wenige Male, etwa für "Nothing Compares 2 U" (1990 ein Welthit in der Version von Sinead O'Connor), unterbrochen wurde, und die Stadthalle so in einen riesigen Tanztempel verwandelte.

Kein Wort verlor Prince, der sich einst nach Streiterein mit Plattenfirmen zeitweilig "Symbol" oder "The Artist Formerly Known As Prince" (oder TAFKAP) nannte, in Wien über sein neues Album "20Ten", das es nicht in Geschäften oder als Download, sondern nur als Beilage zu verschiedenen Zeitungen gibt bzw. geben wird. In Großbritannien lag die CD am vergangenen Wochenende gratis dem "Daily Mirror", in Schottland dem "Daily Record" und in Belgien der Tageszeitung "Het Nieuwsblad" bei. Bei uns soll "20Ten" der am 22. Juli erscheinenden Ausgabe des Musikmagazins "Rolling Stone" beigelegt sein.

Mehrmals holte das Publikum Prince zu Zugaben, bei denen er u. a. ein Medley aus "Wanna Take You Higher" und "Everyday People" spielte, auf die Bühne zurück. Nach einem letzten "It's Time To Get Funky" war es um 22.40 Uhr dann auch an der Zeit, sich endgültig von Mister Nelson und seiner Band, bei der wieder Sheila E. am Schlagzeug und an den Percussions den Takt mit angab, zu verabschieden.

Fazit: Ein heißes Konzert in einer heißen Sommernacht, bei dem Prince offensichtlich sehr darauf bedacht war, seine Fans zum Tanzen zu bringen, und das stellenweise mehr zu einer Art Jam-Session ausuferte.

von Wilhelm Eder

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