Klaus aus Hannover hielt deshalb nicht nur die schwarz-rot-goldene Fahne, sondern auch die des Selbstvertrauens hoch: "Finaaaale, oho!" Die Urlaubsgäste auf dem Campingplatz Arneitz inszenierten das, was man so gemeinhin die Hölle nennt. Vuvuzelas dröhnten, Fahnen wehten, Bier floss. Und das nicht zu knapp.
"So 25 Fässer werden es während eines Spiels schon sein", schätzte Seniorchef Johann Pressinger, während Tochter Petra die kleinen Deutschland-Fans mit Eis verwöhnte. Markus ist erst eineinhalb, das Ballack-Trikot trägt er aber schon mit Stolz.
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Weniger stolz war anfangs der Villacher Emanuel Ertl. Eine verlorene Wette zwang ihn in ein Deutschland-Leiberl, samt schwarz-rot-gelbem Hut. "Ich mag die Deutschen nicht so besonders. Und das ist die Strafe meiner Freunde." Als dann ein Tor nach dem anderen fiel, wurde auch Emanuels Freude über sein Outfit zunehmend größer.
Im selben Ausmaß, wie die Deutschen ihren Kantersieg immer lauter feierten, wurden die Kärntner Gäste vor der Großbildleinwand leiser. Die steckten überwiegend in blau-weißen Leiberln – die denkbar schlechteste Kleiderwahl an diesem Nachmittag.
"Schlaaand" statt "Deutschland"
Die Fans von Müller, Klose & Co sangen sich am Faaker See die Stimmen heiser. Aus dem "Deutschland!"-Schlachtruf wurde die äußerst hippe Verballhornung "Schlaand!", aus dem "Buenas Dias Argentina" ein "Buenas Noches" und aus dem "Finaaaale" von zuvor wurde das mehr als eindeutige "Weltmeister!" Oder ebenso knapp und eindeutig: "Einfach geil!"
Pfeifkonzert für Diego
Ja, und dann waren da noch die Pfiffe, denn der argentinische Nationalheilige Diego Maradona ist den Deutschen nicht grün. Tauchte die "Hand Gottes" auf der Leinwand auf, war’s aus mit der Beherrschung: ein gellendes Pfeifkonzert!
Gegen 18 Uhr dann der Schlusspfiff, und der gleichzeitige Anpfiff für eine Fußball-Party der Superlative. Der türkis-grüne Faaker See wurde für eine Nacht zum "schwarz-rot-geilen" Nationalgewässer.
von Fritz Kimeswenger, "Kärntner Krone"
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