15.01.2020 15:16 |

Nach Anschober-Vorstoß

Pflege: Schulen und NGOs jubeln, FPÖ dagegen

Durchaus positive Reaktionen hat am Mittwoch der Pflegebeschluss im Ministerrat ausgelöst. So sah etwa der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) eine langjährige Forderung erfüllt, ebenso das Hilfswerk Österreich. Die Caritas zeigte sich erfreut, auch von der SPÖ und der Arbeiterkammer kamen durchaus „vorsichtig optimistische“ Töne. Die NEOS zeigten sich skeptisch, die FPÖ wandte sich in einer Pressekonferenz gegen die vorgesehene Matura und meinten, man solle die Pflegeausbildung nicht weiter „akademisieren“.  

FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl und Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch forderten am Mittwoch zwar eine Ausbildungsoffensive in der Pflege, um dem Personalmangel entgegenzuwirken. Der Schulversuch sei aber nicht der richtige Weg, er werde den Personalmangel auch nicht ausreichend lösen können.

Belakowitsch und Kickl verwiesen darauf, dass Schulversuche bisher bis zu zehn Jahre gedauert und nur wenig gebracht hätten. Statt des Abschlusses mit Matura fordert die FPÖ eine „niederschwellige“ Ausbildung. Konkret favorisiert die FPÖ eine Pflegelehre.In Sachen Finanzierung der Pflege ist für Belakowitsch noch vieles unklar.

NEOS: „Nicht schon wieder herumdoktern“
NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker verwies in einer Aussendung darauf, dass die Ausbildung erst 2016 reformiert worden sei: „Daran braucht man jetzt nicht schon wieder herumdoktern.“ Viel wichtiger und dringender wäre, die Pflegekräfte endlich aufzuwerten: Mit mehr Rechten, mehr Handlungsspielraum und einer besseren Vergütung von pflegerischen Leistungen durch die Kasse.

Vorsichtig positiv äußerte sich Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl: „Die Pflegeproblematik rasch anzugehen, ist ganz im Sinne der AK.“ Der geplante Schulversuch sei ein richtiger erster Schritt.

SPÖ fordert „mehr Ambitionen“
SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch forderte am Mittwoch „mehr Ambitionen“ in Sachen Pflege: „Um den zukünftigen Bedarf an Pflegefachkräften abzudecken, braucht es wesentlich mehr Plätze. Man sollte die Schulen gleich auf ganz Österreich ausrollen, denn nach den schwarz-grünen Plänen werden die ersten Fachkräfte nach fünf Jahren fertig.“

Bei der Caritas jubelte man, dass der Weg für den Start der ersten Höheren Lehranstalt für Sozialbetreuung und Pflege in Gaming frei sei. Schon im Herbst soll gestartet werden.

Dachverband will weitere Maßnahmen
Als wichtige flankierende Maßnahme nannte wiederum der Pflegeverband ÖGKV, klar zwischen Betreuung und fachpflegerischer Intervention zu unterscheiden. Zudem seien weitere Fördermaßnahmen für Berufsumsteiger wie etwa voller Zeit- und Lohnausgleich während aller Ausbildungsvarianten und Qualifikationsstufen sowie die Nutzung von Kompetenzen aus vorangegangenen Berufen auf den Weg zu bringen.

Der klare Vorteil des aktuellen Konzepts liege darin, dass beim Ausbildungsbeginn die Alterslücke für 15 bis 17-Jährige geschlossen wird, erklärt die GÖD-Gesundheitsgewerkschaft. Das neue Modulsystem mit differenzierten Ausprägungen und variabler Ausbildungsdauer ermögliche einen Abschluss mit Matura und somit auch den Zugang zum Pflegestudium, was einen unschätzbaren Wert bringe.

Pflegeschulen positiv gestimmt
Die neue Schule trage maßgeblich zum Schluss einer „schmerzlichen Lücke“ in der derzeitigen Pflegeausbildung bei, erklärte das Hilfswerk. Die Politik und mutige Träger müssten jetzt dranbleiben, den Schulversuch gut nutzen und als Regelmodell ausrollen.

Die FH Campus Wien, die bereits seit 2008, als erste Fachhochschule in Österreich, das Bachelorstudium „Gesundheits- und Krankenpflege“ als generalistisches Studium anbietet, begrüßte besonders die angestrebte Personaloffensive: „Als Ausbildungsstätte für Gesundheits- und Krankenpflege verfügt die FH Campus Wien über langjährige Expertise. Diese stellt sie für die Umsetzung der angekündigten Ausbildungsinitiative gerne zur Verfügung und steht als Partnerin bereit.“

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Montag, 21. September 2020
Wetter Symbol
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.