04.12.2019 09:00 |

Debatte zu Winterstart

Ist Kunstschnee Segen - oder ökologischer Irrsinn?

Wenn wir über die steirischen Pisten wedeln, carven und snowboarden, dann hat den Schnee darunter meist nicht „Frau Holle“ gemacht: In 90 Prozent der Skigebiete blasen Schneekanonen aus vollem Rohr. Segen - oder ökologischer Irrsinn?

Georg Bliem, Chef der Planaibahnen, strahlt derzeit so richtig: „Wir bekommen heuer ein perfektes Fundament für die Pisten.“ Weil die Temperaturen - Dienstagfrüh -7,5 Grad oben, -3,5 Grad im Tal - dafür ideal waren, laufen die Schneekanonen auf Hochtouren. „Fürs Erste bis Mittwochmittag geht das weiter nach Plan“, so Bliem. Der die Realität erklärt: „In 90 Prozent der steirischen Skigebiete wird künstlich beschneit. Es ginge gar nicht mehr anders.“

Allein die Wirtschaftsfaktoren sprechen eine deutliche Sprache: 430 Mitarbeiter haben die Planaibahnen schon, Zigtausende mehr sind in Hotellerie und Gastronomie beschäftigt.

Die Zahlen dazu sind gigantisch: 2,3 Millionen (!) Liter Wasser, gebunkert in Speicherteichen, die bis zu 120.000 Kubikmeter fassen, werden jährlich nur im Bereich Planai/Hochwurzen für den Kunstschnee verwendet.

810 Schneekanonen alleine in Schladming
„Das kommt aus Regen und Überlauf, nicht aus dem Grundwasser“, sagt Bliem. Schöner Nebeneffekt: „Was wegrinnt, sorgt für herrliche, tiefgrüne Wiesen im Sommer.“ 810 Schneekanonen hat man, eine kostet im Schnitt 33.000 Euro. Da wird auch klarer, warum die Skikarten durchaus ihren (hohen) Preis haben - 14 der 56 Euro für die Tageskarte gehen auf den künstlichen Schnee zurück.

Verbrauch von 7000 Haushalten
Die Betriebskosten sind natürlich auch enorm, laut Bliem drei Millionen Euro pro Saison. Urs Harnik von der Energie Steiermark kennt die exakten Zahlen: „In der Steiermark werden 1500 Hektar beschneit, das entspricht einem Stromaufwand von 22 Gigawattstunden. Und damit dem Verbrauch von 7000 Haushalten.“ Die Verhältnismäßigkeit: „Die modernen Geräte brauchen viel, viel weniger Energie als die älteren Modelle - wobei jetzt aber natürlich viel mehr Geräte im Einsatz sind.“

Weniger Strom, aber mehr Geräte
Die Beschneiung heute lasse sich mit der von früher gar nicht mehr vergleichen, allein von der Technologie her. Bliem: „Es geht heute alles über den Computer. Da werden Schneemengen professionell vermessen, das ganze System ist hocheffizient. Mulden werden ausgeglichen, kein Schnee wird verschleudert, wo er nicht gebraucht wird. Das Ganze ist eine eigene Wissenschaft, für die ich eigene, bestens ausgebildete Leute habe.“ 40 an der Zahl.

Die Notwendigkeit aus der Sicht des Unternehmers ist klar. Ist das Ganze aber nicht ökologisch ein Wahnsinn, Herr Bliem? „Nicht ganz. In Österreich darf man nämlich absolut keine Chemie nehmen.“ Und für ihn sei es keine Frage: „Wir müssen das tun. Sonst geht ein immenser Wirtschaftszweig ein.“

Rund 70 Prozent der heimischen Skipisten beschneit
Österreichweit umfasst das heimische Skipisten-Netz eine Fläche von rund 23.700 Hektar. Rund 70 Prozent davon können mittlerweile per Technik beschneit werden, in so manchem Skigebiet liegt der Wert bereits bei 100 Prozent. Verwendet wird dafür das Wasser aus den mehr als 420 Speicherseen, - teichen und -becken in Österreich. Die heimischen Seilbahnunternehmen erwirtschafteten dabei im Winter 2018/2019 einen Kassenumsatz von mehr als 1,5 Milliarden Euro und stellten mehr als 17.000 Arbeitsplätze.

Christa Bluemel
Christa Bluemel
 krone.at
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