21.11.2019 11:21 |

Entsetzt & enttäuscht

Queen Elizabeth streicht Prinz Andrew das Gehalt

Auch wenn sie am Donnerstag bei einem Auftritt in London ein tapferes Lächeln aufgesetzt hat und sich nichts anmerken ließ, ist Queen Elizabeth II. von den Geschehnissen rund um ihren Sohn Prinz Andrew tief erschüttert. Die 93-jährige Monarchin sei „entsetzt“ über die Anschuldigungen und von ihm „enttäuscht“, berichten britische Medien. Sein Rückzug von allen offiziellen Aufgaben für die britische Königsfamilie sei von ihr angeordnet worden und nicht freiwillig erfolgt, heißt es ebenfalls. Sein „Gehalt“ von rund 300.000 Euro habe sie dem 59-Jährigen, der als Lieblingssohn der Queen galt, ebenfalls gestrichen.

Wie die „Daily Mail“ berichtet, habe die Königin in Absprache mit Prinz Charles, der derzeit in Neuseeland ist, den Herzog von York zu sich zitiert und ihm den Kopf gewaschen. Ein Freund von Prinz Andrew sagte der „Sun“: „Es war ein furchtbarer Moment für beide. Sein Ruf ist in Scherben. Es ist kaum anzunehmen, dass er jemals wieder für ihre Majestät arbeitet. Er ist in Ungnade gefallen.“

„Es musste etwas getan werden“
Die Königin wolle ihren Sohn aus dem Rampenlicht nehmen, sind Adelsexperten überzeugt. Sie sei persönlich „natürlich sehr enttäuscht“ von ihm, werde aber als Mutter alles tun, um ihn zu schützen.

Eine königliche Quelle erklärte: „Die Königin war privat sehr enttäuscht von Prinz Andrew ... Sie hat ihr ganzes Leben damit verbracht, die Monarchie zu beschützen, und in nur einer Woche drohten die Aktionen ihres Sohnes, sie auseinanderzubrechen. Es musste etwas getan werden, um einen Schlussstrich unter all das zu ziehen.“

Queen „absolut entsetzt“
Die Royal-Autorin Penny Junor sagte der „Sun“, es sei noch nie vorgekommen, dass ein Senior-Mitglied der Royal Family gezwungen wurde, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Sie ist überzeugt, dass die Königin „absolut entsetzt“ ist.

Völlig ohne Einkommen lässt sie ihren Sohn freilich nicht. Prinz Andrew werde weiterhin eine Apanage aus den Einkünften aus dem „Duchy of Lancaster“-Herzogtum erhalten, das pro Jahr 25 Millionen Euro erwirtschaftet. Er behält auch sein Haus, die Royal Lodge, in Windsor, das erst kürzlich um Steuer-Millionen renoviert wurde.

Verwicklung in Epstein-Skandal
Prinz Andrew gab am Mittwoch auf Instagram in einer Erklärung bekannt, dass er wegen seiner Verwicklungen in den Epstein-Skandal keine offiziellen Aufgaben für die britische Königsfamilie mehr wahrnehmen werde

Zusammenarbeit mit den Behörden
Ihm sei klar geworden, „dass die Umstände meiner früheren Verbindung zu Jeffrey Epstein zu einer enormen Störung geworden sind für die Arbeit meiner Familie und die wertvolle Arbeit in den Organisationen und Vereinen, die ich mit Stolz unterstützt habe“, schrieb Andrew. Er habe daher die Queen gebeten, „auf absehbare Zeit“ von seinen Aufgaben zurücktreten zu dürfen. Die Königin habe ihm das gewährt. Er bereue weiterhin „uneingeschränkt“ seine Verbindung zu Epstein und habe „zutiefst“ Mitgefühl mit den Opfern. „Selbstverständlich bin ich bereit, mit jeder angemessenen Ermittlungsbehörde zusammenzuarbeiten, wenn es notwendig sein sollte“, so Andrew.

Der Royal, der schon länger wegen seiner Freundschaft mit Epstein in der Kritik steht, geriet in den vergangenen Tagen immer weiter unter Druck. Epstein, der sich Anfang August in einem New Yorker Gefängnis das Leben genommen hatte, war wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger angeklagt. Er soll seine Opfer auch zur Prostitution gezwungen haben. Eines der Opfer behauptet, mehrmals zum Sex mit Andrew gezwungen worden zu sein. Sie sei damals 17 Jahre alt gewsen. Der Royal bestreitet das.

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„Selbstverständlich bin ich bereit, mit jeder angemessenen Ermittlungsbehörde zusammenzuarbeiten, wenn es notwendig sein sollte“

Prinz Andrew

Anwältin: Andrew soll nun alles offenlegen
In einem BBC-Interview am vergangenen Wochenende hatte Andrew versucht, sich zu rechtfertigen, geriet aber stattdessen noch stärker in die Kritik. Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit weckte unter anderem ein Brief seines ehemaligen Privatsekretärs an die Tageszeitung „Times“. Darin heißt es, Andrew habe Epstein Anfang der 1990er-Jahre kennengelernt. Der Prinz hatte der BBC aber gesagt, er habe Epstein erstmals 1999 getroffen.

Ausgestanden ist die Sache mit dem Machtwort der Queen aber noch lange nicht. Die Opfer von Epstein fordern von Prinz Andrew, er möge nun wirklich schnellstens in den USA beim FBI seine Aussage machen und die Wahrheit sagen. Die Opferanwältin Lisa Bloom will den Prinzen befragen und erklärte: „Andrew und seine Mitarbeiter müssen mit den Ermittlern zusammenarbeiten, zu zivilrechtlichen Entscheidungen und Gerichtsverfahren erscheinen und alle Dokumente vorlegen. Niemand steht über dem Gesetz und jeder sollte Fragen beantworten müssen.“

Jeder, der sachdienliche Hinweise zu dem Fall des wegen vielfachen Missbrauchs von Minderjährigen und Sexhandels verdächtigen Epstein machen könne, müsse befragt werden - und Prinz Andrew „hat ganz klar sachdienliche Informationen“, sagte die Anwältin. Es sei bekannt, dass der Prinz „zahlreiche Kontakte mit Jeffrey Epstein und (dessen Vertrauter) Ghislaine Maxwell hatte“. Deshalb solle er nicht nur von den Ermittlern, sondern auch von den Opferanwälten befragt werden. Bloom forderte die Mitarbeiter von Prinz Andrew auf, „Informationen und Beweismittel“ wie E-Mails, Telefonlisten, Kalender und Reiseunterlagen auszuhändigen. Bloom wirft dem Prinzen vor, in dem am Samstag ausgestrahlten BBC-Interview „keinerlei Mitgefühl mit den Opfern gezeigt zu haben“.

Royal-Experten sind unterdessen der Meinung, dass auch die Queen noch weitere Schritte setzen soll. 

Nur noch Queen, Charles und William?
Der britische Kolumnist Andrew N. Wilson rät dazu, dass sich alle bis auf ein paar wenige Royals aus der Öffentlichkeit heraushalten sollten: „Die einzigen Mitglieder in der Öffentlichkeit sollten die Queen, Charles und William und seine Familie sein. Der Rest sollte sich zurückhalten: keine weiteren Interviews, Gerichtsverfahren, Bitten um öffentliches Verständnis und Mitgefühl oder jede Menge Geld von Millionären. Sie sollten sich zurückhalten und einer gebeutelten Institution ermöglichen, sich zu erneuern.“

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