22.11.2019 05:01 |

Gehirntraining

Klavierspielen aktiviert die grauen Zellen

Das Beherrschen der weißen und schwarzen Tasten kann man auch im Erwachsenenalter noch erlernen. Damit ist es auch möglich, geistigen Abbau und Demenz hinaus zu zögern.

„Ich bin ja zu alt, um Klavierspielen zu lernen“ - dieses Vorurteil stimmt einfach nicht. Ein Instrument zu erlernen weckt schlummernde Talente, eröffnet neue Horizonte, entschleunigt alle Sinne und macht sehr viel Spaß. „Als Kind bringt man nur andere Voraussetzungen mit. Erwachsene haben meist ein Ziel vor Augen. Kinder hingegen lernen spielerischer. Ihr Gehirn ist aufnahmefähiger, aber sie verlieren auch schneller die Lust dran“, berichtete Stefan Gasser, Leiter der Blüthner Musikschule für Erwachsene, bei einer Pressekonferenz in Wien.

Spaß an der Musik im Vordergrund
Bei den Späteinsteigern stehen vor allem das Vergnügen am Gestalten und die Freude an der Musik im Vordergrund. Musikalisches Lernen ist bis ins hohe Alter möglich und hält dabei auch noch jung. Denn das Gehirn funktioniert wie ein Muskel, den man das ganze Leben lang trainieren kann, und reagiert laut Hirnforschung ständig auf neue Herausforderungen und Gegebenheiten. Dabei verändern sich Aktivitätsmuster im Gehirn bereits in kürzester Zeit. Schon nach der ersten musikalischen Übungseinheit vernetzen sich bestimmte Regionen miteinander. Damit erhöhen sich im Gehirn die Reserven und wirken so gegen altersbedingte Abbauprozesse.

Während des aktiven Musizierens werden sowohl motorische, akustische wie auch Gedächtnisleistungen gefordert. Musikmachen kann daher die geistige Flexibilität und Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter fördern. „Mit etwa einer halben Stunde täglich können Erwachsene schon sehr viel erreichen. Aber es sollte regelmäßig sein. Wichtig ist auch, sich in dieser Zeit von nichts anderem ablenken zu lassen. Im besten Fall werden diese 30 Minuten am Klavier zu einer willkommenen Erholungspause vom Alltag“, erklärt Klavierpädagogin Ulrike Anderwald.

Der Weg ist das spannende Ziel
Erwachsene sind mit sich oft ungeduldig und erwarten sehr früh erste Ergebnisse. Aber ähnlich wie beim Wandern ist auch beim Erlernen des Klavierspiels der Weg bzw. Lern-Prozess das Ziel. Um als Anfänger den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, sollte man sich zuerst einmal auf ein paar Stücke konzentrieren und diese gut spielen lernen. „Wer sich genug Zeit nimmt, dabei geduldig und nachsichtig mit sich umgeht und vorhandene Einschränkungen auch akzeptiert, wird sich schon bald über erste, kleine Etappensiege freuen. Daher ist es mein Ziel beim Unterrichten, Musik nicht nur kompetent, sondern mit sehr viel Freude zu vermitteln. Es ist mir wichtig, die Schüler bestmöglich zu motivieren, ihre Talente zu wecken, sie achtsam zu leiten und dabei immer auf Augenhöhe zu bleiben“, betont Anderwald.

Karin Rohrer-Schausberger, Kronen Zeitung

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