Genau wegen solchen unerfreulichen Ereignissen treffen sich die Stars auch abseits der offiziellen Partien auf den abenteuerlichsten Schauplätzen, um unter sich auszumachen, wer der beste Kicker ist. Regeln sind dabei nur etwas für Weicheier. So stellen sich das zumindest die Entwickler von "Pure Football" vor und präsentieren ein kurzweiliges Arcade-Spiel, das auch weniger fußballaffine Spieler zu ein paar Matches animieren soll. EA hat es mit der "Fifa Street"-Serie ja bereits mehr oder weniger erfolgreich vorgezeigt, wie so etwas funktionieren kann.
Zuerst will aber im Kampagnen-Modus ein eigenes Team erstellt werden, was sich recht einfach gestaltet. Wünschenswert wäre es aber trotzdem gewesen, wenn dieser Prozess für Eilige nicht zwingend erforderlich gewesen wäre. Eine vorgefertigte Mannschaft hätte ausgereicht.
Ziel der Kampagne ist es, wie könnte es auch anders sein, die Nummer eins zu werden. Dazu müssen an verschiedenen, teils abenteuerlichen Spielorten Partien gewonnen werden. Mit Siegen klettert man langsam die Rangliste nach oben. Um für Abwechslung zu sorgen, gibt es dabei unterschiedliche Aufgabenstellungen. So muss das Team zum Beispiel in wenigen Minuten zum Sieg geführt, ein Turnier gewonnen oder eine bestimmte Anzahl Tore erzielt werden, bevor das der Gegner schafft.
Für herausragende Leistungen - etwa kein Gegentor zu bekommen - gibt es Bonuspunkte. Damit können die Fähigkeiten des eigenen Spielers, der Kapitän der Mannschaft ist, verbessert werden. Zusätzlich werden nach und nach Teams und ihre Spieler frei geschaltet. Diese sind danach am Transfermarkt erhältlich und können in die eigene Mannschaft übernommen werden. So spielt der Gamer am Ende gemeinsam mit Stars wie Messi oder Ronaldo.
Katastrophe am Platz
Bis hierhin klingt es nach einem ganz guten und abwechslungsreich Arcade-Fußballspiel. Die Motivation liegt hauptsächlich darin, in der Rangliste nach oben zu gelangen. Auch die verschiedenen Aufgaben sorgen zumindest anfangs für Kurzweil. Doch die Realität holt den Spieler schon bald ein und sieht leider ganz anders aus, denn die eigentliche Katastrophe findet auf dem Platz statt.
Der etwas eigenwillige Grafikstil mag noch Geschmacksache sein. Dass die Grafik aber an ein paar Stellen leicht auspixelt, relativ farbarm ist und die Animationen nicht immer schön anzusehen sind, sollte auf keinen Fall passieren. Die Steuerung ist zwar einfach gehalten, erinnert aber an Konzepte aus den späten Neunzigern. Eine dichte Atmosphäre mag bei diesen Voraussetzungen nicht aufkommen. Da die Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, sorgt die fehlende Stadionatmosphäre für zusätzliche Tristesse.
Die absolute Krönung stellt jedoch das Verhalten des Torhüters dar. In der Geschichte der Fußballspiele gehört dieser ob seiner grandiosen Aussetzer zu der absoluten Spitze der Fliegenfänger. Wobei seine hellen Momente, bei denen er plötzlich eigentlich unhaltbare Bälle abwehrt, genau das Gegenteil von Begeisterung hervorrufen.
Die eklatanten Schwächen des Torhüters zerstören leider auch den letzten Funken Hoffnung, den Titel länger weiterspielen zu wollen. Sind diese erst einmal erkannt und ausgenutzt, gewinnt man jedes Spiel fast nach Belieben. Da fällt es dann auch nicht mehr sonderlich ins Gewicht, dass hie und da doch ein Foul geahndet wird, welches unweigerlich zu einem Strafstoß führt - und das unabhängig davon, wo am Platz dieses begangen wurde.
Fazit: Der Grundgedanke von "Pure Football" ist durchaus ansprechend, die Umsetzung ist allerdings gründlich misslungen. Der Titel ist meilenweit von WM-Niveau entfernt, es reicht höchstens für die Regionalliga. Dabei wäre die Chance recht groß gewesen, einen Volltreffer zu landen, denn aktuelle Arcade-Fußballtitel sind derzeit sehr spärlich am Markt zu finden. Selbst das inzwischen etwas angegraute "Fifa Street" ist um Klassen besser. Die aktuellen Titel der "Fifa"- und "PES"-Serien sind Simulationen und daher nicht direkt vergleichbar, aber in puncto Spielspaß zeigen sie vor, wie es gemacht werden sollte.
Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC
Publisher: UbiSoft
krone.at-Wertung: 5/10
von Harald Kaplan
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.