04.11.2019 11:40 |

Lohengrin-Premiere

Ein zweischneidiges Ritterschwert

Mein lieber Schwan: Regisseur Roland Schwab inszeniert unter der musikalischen Leitung von Leslie Suganandarajah Wagners Romantik-Oper. Das Bühnenbild in der Salzburger Felsenreitschule ist ein Schocker und Richard Wagners Musik hat nichts von ihrem göttlichen Abglanz verloren. Benjamin Bruns als Lohengrin lässt den letzten Funken zum Publikum aber nicht überspringen.

Rauchwolken kräuseln sich über einem Flugzeugwrack. Drum herum winden sich Gestalten. Über ihnen prangt in unerreichbarer Höhe der Schriftzug „GLAUBE“. Es scheint, als habe Wagners Werk den Bühnenbildner Piero Vinciguerra zu einer modernen Ikarus-Szenerie inspiriert. Das Scheitern einer technikgläubigen Gesellschaft, die hoch hinauswollte. Dabei hat sie eine entzauberte Welt hinterlassen.

Es ist die Gesellschaft von Brabant. Die hat neben fehlendem Glauben noch mit anderen Problemen zu kämpfen. Ein Krieg steht an und Bösewicht Friedrich von Telramund beschuldigt die Reichserbin Elsa des Brudermordes. Da erscheint eine Lichtgestalt zur Rettung – im Original in Rüstung auf einem Boot, gezogen von einem Schwan.

Heute trägt sie einen seltsamen Anzug und einen Paillettenkragen. Wie Benjamin Bruns da als Lohengrin unter dem Jubel der Brabanter aus dem Flugzeug stolziert, erinnert er eher an den Moderator einer 80er-Jahre-Spieleshow als an einen Gralsritter. „Begeisterung strahlt der nicht aus“, flüstert ein Zuschauer. Am Ende ist alles ist gut und darf es nicht bleiben. Elsa muss das Unbegreifliche greifbar machen. Sie stellt dem Heilsbringer die einzige verbotene Frage: Wer bist du?

Geht das Göttliche mit dem Irdischen einfach nicht zusammen? Die himmlischen Töne von Wagner tanzen auf unseren Trommelfellen und sprechen klar dagegen.

Christoph Laible
Christoph Laible
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