24.10.2019 09:39 |

Anderl zu Lohnschere:

„Frauen müssen bei Bewerbung mehr verlangen“

Anfang dieser Woche haben Männer im österreichischen Durchschnitt bereits so viel verdient gehabt wie Frauen im gesamten Jahr. Der Equal Pay Day war dieses Jahr am Montag, dem 21. Oktober. Es gibt also immer noch sehr große Lohn- und Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Warum das so ist und was man in Zukunft für eine Gleichheit der Geschlechter in dieser Sache tun will, das hat „Krone“-Moderator Gerhard Koller mit der Präsidentin der Arbeiterkammer, Renate Anderl, besprochen.

41.785 Euro verdient eine Vollzeit arbeitende Frau im Schnitt im Jahr, das sind 10.248 Euro weniger als ein Mann mit derselben Arbeitszeit. Für die AK-Präsidentin gibt es in dieser Sache nichts schönzureden, weil sich auch die Schere bei den Vollzeitlöhnen nur langsam schließt: „Es ist traurig, dass wir im 21. Jahrhundert über dieses Thema überhaupt noch diskutieren müssen. Es ist zum Heulen.“

„Bei Bewerbungen mutiger sein“
Hinzu kommt, dass sich die niedrigeren Einkommen von Frauen auch auf deren Pensionen auswirken. Laut Anderl sei es aber schwer, bei den Pensionen anzusetzen. Ihr und der Arbeiterkammer ist es daher wichtig, dass Frauen bereits im Erwerbsleben eine Chance auf ein höheres Gehalt bekommen: „Dass beginnt damit, dass Frauen bereits bei der Bewerbung mutiger herangehen sollten und hier auch mehr verlangen.“

Rechtsanspruch auf Betreuungsplatz gefordert
Der wichtigste Grund für die Ungleichheit liege jedoch in den Rahmenbedingungen: „Wenn man nicht weiß, wohin man sein Kind geben soll, ist es immer noch so, dass die Frau zu Hause bleibt. Das muss sich ändern.“ Die Arbeiterkammer fordert daher einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Geburtstag eines Kindes, und das beitragsfrei: „Wien zeigt es mit seinem beitragsfreien Kindergarten vor, hier funktioniert die Betreuung sehr gut.“ In Wien ist der Einkommensunterschied daher auch nicht so hoch wie in den ländlichen Gebieten, was auch daran liegt, dass Frauen durch die Bildungsmöglichkeiten in Großstädten besser verdienen.

Karenz für Väter oft „nicht leistbar“
Aber auch für eine „Karenzpflicht“ für Väter, zum Ausgleich der Arbeitszeiten zwischen Männern und Frauen, fehlen die Rahmenbedingungen: „Wir haben im Moment einen Papa-Monat, aber wenn man den in Anspruch nimmt, sagen viele Väter danach, dass sie sich eine weitere Karenz nicht leisten können.“

Auch im neu zusammengesetzten Nationalrat sind Frauen mit 39,7 Prozent unterrepräsentiert. Im Hinblick darauf gebe es laut Anderl „noch viel zu tun“. Abschließend hält sie fest: „Frauen verdienen weitaus mehr Respekt, denn sie sind bestens gebildet.“

Markus Steurer
Markus Steurer
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