23.10.2019 14:34 |

Drei Jahre Haft

Ex-Nationalratsmandatar prügelte auf Fans ein

Ein früherer Nationalratsabgeordneter ist am Mittwoch in Graz zu drei Jahren Haft - davon ein Jahr unbedingt - verurteilt worden. Er soll nach einem Fußballspiel in Graz - Sturm verlor gegen den LASK sang- und klanglos mit 0:3 - einen Mann mit Fäusten traktiert und gegen Körper und Kopf getreten haben. Das Urteil wegen Körperverletzung und versuchter absichtlicher schwerer Körperverletzung ist nicht rechtskräftig.

„Mir ist es kalt über den Rücken gelaufen bei dieser Brutalität“, meinte die Anklägerin angesichts der Art und Weise, wie der Beschuldigte nach dem Fußballspiel auf einen Mann und dessen Freundin losgegangen war. Aus einer verbalen Auseinandersetzung wurde plötzlich eine „Rauferei“, wie es der Angeklagte bezeichnete. „Nein, zu einer Rauferei gehören zwei“, stellte Richterin Elisabeth Juschitz richtig.

Gegen Kopf wie gegen Fußball getreten
Der Ex-Politiker schilderte unter Tränen eineinhalb Stunden lang alles, nur nicht die Tat selbst. Laut Video hat er nämlich einen Mann zu Boden gerissen, sich auf ihn gesetzt und ihm sieben wuchtige Faustschläge versetzt. Dann stand er auf und trat mit dem Fuß gegen den Körper und den Kopf des Opfers „wie gegen einen Fußball“, beschrieb es die Staatsanwältin.

„Schnapsrausch und Arbeitsüberlastung“ als Begründung
Warum er das getan hatte, konnte er nicht wirklich erklären: „Schnapsrausch“ und „Arbeitsüberlastung“ führte er als Erklärung an. „Alles ein Fehlverhalten meinerseits“, war er schließlich bereit, zuzugeben. Dass er auch die Freundin des Opfers getreten und an den Haaren zu Boden gerissen hatte, konnte er sich auch nicht mehr erklären.

„Ich hab mir gedacht, um Gottes Willen, das ist eine Frau“, will er angeblich gedacht haben. „Das haben Sie sicher schon vorher bemerkt, als Sie sie im ersten Lokal geschupft haben“, meinte die Richterin trocken.

„Ich rufe Kickl und Kurz an“
Die Tränen und die Zerknirschung erschienen in einem etwas anderem Licht, als einer der Polizisten aussagte, der ihn nach der Tat - er war zunächst weggegangen und erst später festgenommen worden - befragt hatte. „Er hat uns verarscht“, sagte der Zeuge in aller Deutlichkeit. „Er hat gesagt, er hat mit der ganzen Sache gar nichts zu tun, und es würde für uns ein Problem werden, wenn wir ihn festhalten. Er ist Politiker und wird Kickl und Kurz anrufen, und dann werden wir berufliche Probleme bekommen“, schilderte der Polizist.

Probleme bekam aber der Ex-Politiker, als nämlich sowohl ein Video der Tat als auch ein Zeuge auftauchten. Bis zum Prozess war er auf freiem Fuß, da er unter Einhaltung von acht Auflagen von der Bewährungshilfe bis hin zum Verbot von Groß- und Sportveranstaltungen aus der Untersuchungshaft entlassen wurde.

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